Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Aktuelle Familienstrukturen

Die Lebenssituation von Alleinerziehenden

von Angelika Engelbert

Die Lebenssituation von Alleinerziehenden ist durch besondere Herausforderungen geprägt. Für den Alltag alleinerziehender Eltern und für die Entwicklung ihrer Kinder ist jedoch weniger die Lebensform an sich als vielmehr die Ausstattung mit ökonomischen und sozialen Ressourcen entscheidend.
Spätestens seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Lebensform „Alleinerziehend“ kontinuierlich zugenommen. Inzwischen ist hierzulande jede fünfte Familie alleinerziehend –allerdings nicht immer auf Dauer. Für ihre Lebenssituation ist vor allem die Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, entscheidend. Hierfür wiederum sind Betreuungsangebote und die Unterstützung im privaten Umfeld wichtige Voraussetzungen. Wie aber sehen die alleinerziehenden Eltern selbst ihre Situation und wie sehen sie ihre Zukunft? Wo liegen nach ihrer Meinung die größten Schwierigkeiten und Herausforderungen ihres Alltags? Für den folgenden Überblick wurden aufschlussreiche Daten und einschlägige Forschungsergebnisse zu diesen und anderen Fragen zusammengestellt. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei der Situation und den Entwicklungsvoraussetzungen der Kinder zu.

 

Erwerbstätigkeit

In den letzten 15 Jahren ist die Erwerbseinbindung alleinerziehender Mütter bezogen auf das gesamte Bundesgebiet unverändert geblieben. Während jedoch die Erwerbstätigkeitsquote der Alleinerziehenden in den alten Bundesländern gestiegen ist, sank diese in den neuen Bundesländern kontinuierlich (Statistisches Bundesamt 2010: 17f.). Hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung zeigen sich zunächst keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Müttern in unterschiedlichen Familienformen: 2011 lag die Erwerbsquote sowohl der alleinerziehenden Mütter als auch der Mütter in Paarfamilien bei 70,2 Prozent (BMAS 2013: 20).

Die Einbindung in den Arbeitsmarkt ist dabei maßgeblich abhängig vom Alter des jüngsten Kindes. Dies trifft zwar auch auf Mütter in Paarfamilien zu, gilt jedoch noch stärker für Alleinerziehende: von ihnen sind lediglich 41,7 Prozent mit Kindern unter drei Jahre erwerbstätig, während dies immerhin für 52,7 Prozent der Mütter in Paarfamilien zutrifft (ebd.).

Wenn alleinerziehende Frauen erwerbstätig sind, dann arbeiten sie häufiger (zu 41,4 Prozent) in Vollzeit (über 34 Std.) als andere Mütter (23,8 Prozent) (BMAS 2013: 24.). Die Einbindung in den Arbeitsmarkt ist vor allem bei alleinerziehenden Müttern mit einem mittleren und hohen Bildungsstand stärker ausgeprägt. Dies gilt zwar auch für Mütter in Paarhaushalten, jedoch liegt die Erwerbsquote von alleinerziehenden Müttern mit mindestens einem mittleren Bildungsstatus in allen Altersklassen der Kinder deutlich höher. Fast ein Viertel (23,6 Prozent) der Alleinerziehenden verfügt nur über einen niedrigen Bildungsstand, bei den Müttern in Paarfamilien sind es 16,5 Prozent (ebd.: 22).

 

Einkommenssituation

Betrachtet man den überwiegenden Lebensunterhalt so zeigt sich, dass 2009 über die Hälfte aller alleinerziehenden Mütter diesen durch die eigene Erwerbstätigkeit finanziert. Dies entspricht in etwa dem Anteil der Mütter in Paarfamilien.

Für Alleinerziehende spielen in ökonomischer Hinsicht die Unterhaltszahlungen eine sehr wichtige Rolle – zumindest dann, wenn sie hierauf Anspruch haben und ihn auch erhalten. In 2008 hatten 19 Prozent der Alleinerziehenden keinen Anspruch auf Unterhaltszahlungen und bei 40 Prozent gab es Probleme mit dem Unterhalt, der entweder gar nicht oder nicht vollständig bzw. nicht regelmäßig gezahlt wurde (BMFSFJ 2008b: 32).

Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig von Armut bedroht. Insgesamt leben 2011 ungefähr 40 Prozent von Leistungen nach dem SGB II (BMAS 2013: 34). Diese Anteile liegen konstant hoch. Von den alleinerziehenden Müttern mit kleinen Kindern (unter drei Jahren) sind es sogar mehr als drei Viertel, die diese Unterstützungsleistungen beziehen. Außerdem bleiben Alleinerziehende deutlich länger von Transferzahlungen abhängig. Dies gilt vor allem für Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften mit mehr als einem Kind (BMAS 2013: 34).

Von den insgesamt 1,2 Millionen Kindern, die in Deutschland von relativer Armut bedroht sind, wächst fast jedes zweite (43 Prozent) in einem Ein-Eltern-Haushalt auf. Damit liegt die Armutsgefährdung von Kindern aus Alleinerziehendenhaushalten über dem europäischen Durchschnitt (37 Prozent) (BMFSFJ 2012c: 52f.).

 

Alleinerziehende Väter

Der Anteil der alleinerziehenden Väter an allen Alleinerziehenden ist nach wie vor gering. Er liegt bei ungefähr 10 Prozent. Deutliche Unterschiede zwischen alleinerziehenden Müttern und Vätern gibt es hinsichtlich des Bildungsstandes und der Erwerbstätigkeit. Alleinerziehende Väter sind im Schnitt besser gebildet und gehen häufiger einer Erwerbstätigkeit nach. Allerdings besteht auch bei ihnen ein Zusammenhang zwischen der beruflichen Einbindung und dem Alter des jüngsten Kindes. Ist dieses unter sechs Jahre alt ist nur die Hälfte (51 Prozent) erwerbstätig. Bei Kindern ab dem zehnten Lebensjahr sind drei von vier Vätern beruflich aktiv (Statistisches Bundesamt 2010: 29). Die höhere berufliche Einbindung der Väter hängt daher auch damit zusammen, dass sie zum einen überwiegend ältere Kinder betreuen und zum anderen erst später im Lebenslauf alleinerziehend werden und die berufliche Bildungs- und Etablierungsphase bereits abgeschlossen haben.

Entsprechend hoch ist auch der Anteil derjenigen Väter die ihren überwiegenden Lebensunterhalt durch eine berufliche Tätigkeit finanzieren. Drei Viertel der alleinerziehenden Väter lebt vornehmlich vom eigenen Einkommen, bei den Müttern sind es nur 58 Prozent. Während im Jahr 2010 40 Prozent der alleinerziehenden Mütter mit einem Einkommen unter 1300 Euro auskommen mussten, traf dies nur auf 21 Prozent der alleinerziehenden Väter zu (ebd.).

 

Kinderbetreuung und soziale Netzwerke

Für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familien gilt ein bedarfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuung als Schlüsselgröße. Die ganz besondere Bedarfssituation alleinerziehender Eltern ergibt sich dabei aus der Alleinzuständigkeit für die Betreuung und Erziehung der Kinder und durch geringere Handlungsspielräume zum Ausgleich von Betreuungsengpässen und Betreuungsausfällen. Umfang, Zuverlässigkeit, Flexibilität, Bezahlbarkeit und Qualität der Betreuungsarrangements spielen für Alleinerziehende daher eine ganz besonders wichtige Rolle.

Passgenaue Betreuungsarrangements lassen sich häufig nur durch eine Kombination unterschiedlicher Angebote erreichen. Gerade zu ungewöhnlichen Zeiten kann die Betreuung dann zu einem großen und kaum noch zu bewältigenden Kostenfaktor werden, der eine Arbeitsaufnahme oder -fortführung unrentabel erscheinen lässt. Alleinerziehende gehören aufgrund fehlender oder schlechterer (Aus)Bildung oder schlecht bezahlter Tätigkeiten und auch aufgrund ihrer häufig unterbrochenen Berufsbiografien besonders häufig zu den Geringverdienern. Die Kostenfrage ist für sie daher ausschlaggebend.

Nachweislich ist der Besuch der Kindertageseinrichtung für die Entwicklung der Kinder wichtig. Ein früher und längerer Kita-Besuch trägt zur Kompetenzentwicklung der Kinder bei und wirkt sich zum Beispiel auf den qualifizierten Verbleib im Bildungssystem aus (BMFSFJ 2012c: 113ff). Dies gilt ganz besonders für Kinder von Alleinerziehenden. Viele Alleinerziehende wollen auch aus diesem Grund ihr Kind in Institutionen betreuen lassen – unabhängig davon, ob sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Immerhin 84 Prozent der Alleinerziehenden mit zu Hause betreuten zweijährigen Kindern suchen einen Betreuungsplatz, 79 Prozent stehen auf entsprechenden Wartelisten (BMFSFJ 2012c: 23ff). Fast die Hälfte der Alleinerziehenden, deren Kinder zwei Jahre und älter sind und die eine Betreuung in Anspruch nehmen, erhofft sich einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Kindes (ebd.: 24).

Zwischen 2006 und 2012 stieg der Anteil der unter Dreijährigen in Tageseinrichtungen von 12,1 Prozent auf 23,4 Prozent. Betrachtet man ausschließlich die Situation in Westdeutschland, ist dieser sogar von 6,8 Prozent auf 18,2 Prozent gestiegen und hat sich damit nahezu verdreifacht. Dennoch geht man hier noch nicht von einer vollständigen Deckung des Bedarfs aus. Alleinerziehende Mütter nehmen im Vergleich zu Paarfamilien häufiger und länger sowohl institutionelle Kinderbetreuungsangebote als auch informelle Kinderbetreuung (Großeltern, Verwandte) in Anspruch (Lois/Kopp 2011: 63). Sie haben für ihre unter dreijährigen Kinder im Jahr 2011 in 49,7 Prozent der Fälle Betreuungsunterstützung von Verwandten und in 12,8 Prozent der Fälle von Freunden und Bekannten erhalten. Bei Müttern in Paarhaushalten waren dies nur 30,7 bzw. 3,2 Prozent (BMAS 2013: 27). Immer noch führt aber mangelnde Passgenauigkeit bzw. Flexibilität der Betreuungsangebote dazu, dass Alleinerziehende komplizierte Kombinationsmodelle von institutioneller und privater Betreuung suchen und koordinieren müssen. Dies bringt wiederum erhöhte organisatorische und zeitliche Aufwendungen und insofern einen höheren Grad an Belastungen für die Alleinerziehenden mit sich.

Gleichzeitig sehen sich gerade Alleinerziehende in ihrem Umfeld häufig dem Vorwurf ausgesetzt, das Kind fremdbetreuen zu lassen, obwohl sie „nur“ zu Hause sind. Für die Alleinerziehenden ergeben sich dadurch verunsichernde und belastende „Doppelbotschaften“. Von ihnen wird erwartet, dass sie sich besonders gut um ihr Kind kümmern und andererseits ihren Lebensunterhalt möglichst selbständig sichern sollen.

Informelle Unterstützung vor allem durch Mitglieder der Herkunftsfamilie ist für Alleinerziehende grundsätzlich besonders wichtig. Im Jahr 2008 hatten 69 Prozent von ihnen Eltern oder Verwandte, von denen sie Unterstützung erhalten. Damit gibt es in dieser Hinsicht kaum Unterschiede zu den Eltern in Paarbeziehungen. Netzwerkpflege verlangt aber auch eigene „Investitionen“ in Form von Engagement und vor allem Zeit und gerade über Zeit können Alleinerziehende nur in eingeschränktem Maße verfügen – zumindest diejenigen, die erwerbstätig sind. Immerhin 20 Prozent der Alleinerziehenden verfügen über ein weniger enges oder über gar kein familiales Netzwerk, das im Bedarfsfall helfen könnte (BMFSFJ 2008a: 8).

 

Die Situation der Kinder

Vergleicht man die Situation der Kinder in verschiedenen Familientypen anhand aktueller Daten, so lassen sich zwar für Kinder aus Paarfamilien günstigere Entwicklungsmilieus feststellen als für Kinder aus Ein-Elternfamilien, die Effekte sind jedoch insgesamt eher schwach (Walper/ Wendt 2005: 211). Dies gilt vor allem, wenn weitere Faktoren wie Familienklima oder die Qualität der Partnerschaft kontrolliert werden. Neuere Studien stellen zum Beispiel keine Unterschiede hinsichtlich der Versorgungs- und Erziehungspraktiken im Umgang mit Kindern bei Alleinerziehenden und anderen Eltern fest (Ziegler 2012: 3). Die befragten Mütter zeigten unabhängig von der Familienform überwiegend fördernde und haltgebende Erziehungsstile. Auch aktuelle Vergleiche der Aktivitäten von Kindern zeigten nur geringe Unterschiede und lassen keine Rückschlüsse auf Benachteiligungen der Kinder von Alleinerziehenden zu (BMAS 2013: 48f.).

Ob und wie eine Trennungsbewältigung für die Kinder funktioniert bzw. ob und welche Belastungen und weitere negative Folgen des Lebens mit nur einem Elternteil für Kinder entstehen, wird ebenso wie deren Wohlbefinden vor allem durch die Gestaltung der Beziehungen innerhalb der Familie sowie durch das elterliche Verhalten geprägt (Sander 2011, Ziegler/ Seelmeyer 2011). Grundsätzlich geht man davon aus, dass für die Kinder Alleinerziehender solche Familienkonstellationen günstig sind, in denen wenn möglich „Eltern in gemeinsamer Sorge in der Kindererziehung kooperieren oder eine parallele Elternschaft ausüben“ (Sander 2011: 18). Die Frage, wie die getrennt lebenden Väter und Mütter die Zeit mit dem Kind gestalten, ist wichtiger als Häufigkeit und Dauer des Kontaktes. Dabei kommt es vor allem darauf an, wie die Beziehung zum Kind ist, ob eine vertrauensvolle Umgebung für das Kind geschaffen wird und ob Kindern das Gefühl vermittelt wird, geliebt und angenommen zu werden (BMFSFJ 2012a: 22f.).

Eine vertrauensvolle und emotional unterstützende Beziehung zwischen getrennt lebendem Elternteil und Kind ist jedoch vor allem von der Situation vor der Trennung abhängig. Dies betrifft die Beziehung zwischen (getrennt lebendem) Elternteil und Kind ebenso wie die grundsätzlichen Erziehungspraktiken und die vorhandenen Handlungskompetenzen von Eltern und Kindern.

Ob und wie Kinder (möglicherweise dauerhaft) unter einer Trennung ihrer Eltern leiden, hängt auch vom Ausmaß der Veränderungen der Lebensumstände ab. Je nachdem, wie viele und welche Bereiche sich für die Kinder verändern und welche Bedeutung diese haben, sind dann die Anpassungspotenziale des Familienalltags gefordert. Die Ergebnisse der Familienforschung belegen, dass die Unterstützung durch Freunde und Verwandte eine der wichtigsten Ressourcen eines funktionierenden Familienlebens ist. Vor allem der problemadäquate Umgang mit besonderen Herausforderungen, wie sie zum Beispiel durch eine Trennung bzw. Scheidung gegeben sind oder die Bewältigung von Alltagsstress, wie er für Alleinerziehende immer wieder festgestellt wird, kann durch die Unterstützung in einem sozialen Netzwerk aufgefangen werden. Dies hat auch die Forschung zur Bewältigung von Scheidungsfolgen bei Kindern bestätigt (Sander 2011: 16). Die Bedeutung des sozialen Netzwerks prägt grundsätzlich die Selbstsicht der Alleinerziehenden. Ihr Selbstkonzept baut weniger darauf auf, dass sie sich als „allein erziehend“ betrachten. Vielmehr heben sie hervor, dass sie über komplexe Beziehungen und Netzwerkstrukturen verfügen und eben nicht „allein“ sind (BMFSFJ 2011: 8).

Für Kinder macht sich Netzwerkunterstützung vor allem daran fest, dass es Personen gibt, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die sich um sie kümmern und sorgen. Die Möglichkeiten, eine solche Unterstützung zu erfahren, sind unabhängig vom Familienstand und unabhängig von der sozialen Lage (Ziegler 2012: 5).

Sowohl für die Bewältigung von Scheidungsfolgen als auch hinsichtlich des allgemeinen Wohlbefindens und der Entwicklungsbedingungen von Kindern wird gerade in den letzten Jahren im Übrigen immer wieder auf die Bedeutung der sozioökonomischen Lage der Familie hingewiesen (Walper/ Wendt 2005, Sander 2011, BMAS 2013: 48ff.). So zeigen die Daten des Kindersurveys deutliche Effekte des Pro-Kopf-Einkommens in fast allen betrachteten Verhaltensbereichen.

Auffallend ist also, dass es offensichtlich nicht die Familienform als solche ist, die die Aktivitäten, das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern beeinflusst. Entscheidend sind vielmehr die grundsätzliche Eltern-Kind-Beziehung, die Bewältigungskompetenzen und vor allem die Ausstattung mit sozialen und ökonomischen Ressourcen. Das aber sind Einflussgrößen, die für alle Lebensformen mit Kindern gelten. „Die Aussicht auf eine gute Kindheit ist in erster Linie stark von der sozio-ökonomischen Lage der Familie abhängig, weniger vom Status Alleinerziehung“ (Ziegler 2011: 7).

 

Die subjektive Sicht der Alleinerziehenden

Vor allem ihre oft schwierige ökonomische Situation stellt für alleinerziehende Mütter eine deutliche Herausforderung dar (BMFSFJ 2011: 8, BMAS 2013: 46). Sie empfinden ein höheres Risiko und auch eine höhere Belastung als Mütter in Paarhaushalten. Dies ist auch abhängig von der Einkommenshöhe, denn wenn mittlere oder höhere Einkommen zur Verfügung stehen, wird der Unterschied zwischen beiden Gruppen geringer. Insgesamt sehen aber auch die besser verdienenden alleinerziehenden Mütter größere Schwierigkeiten und Belastungen als die in Paarhaushalten lebenden.

Ein Drittel der in Partnerschaft lebenden Frauen, aber jede zweite Alleinerziehende wünscht sich vor allem mehr Zeit mit den Kindern (Meier-Gräwe/ Kahle 2009: 108). Alleinerziehende Frauen sehen aber auch Probleme hinsichtlich ihrer persönlichen Freizeit und der Zeit, die ihnen für soziale Kontakte bleibt. Sie leiden besonders häufig unter Zeitdruck. „51 Prozent aller alleinerziehenden Frauen und 61 Prozent der alleinerziehenden, erwerbstätigen Frauen leiden immer oder oft unter Zeitdruck“ (BMFSFJ 2012b: 42). Für Mütter in Paarhaushalten gilt dies nur zu 42 Prozent.

Der überwiegende Teil der Alleinerziehenden wünscht sich ein Leben in Partnerschaft und dementsprechend sind es vor allem die Frauen ohne neuen Partner, die unzufriedener sind als andere Mütter. Fragt man jedoch nach der voraussichtlichen Zufriedenheit in einem Jahr bzw. in fünf Jahren, so schmilzt der Unterschied zusammen. „Viele Alleinerziehende rechnen offenbar damit, dass sie mit ihrer Lebenssituation in einem Jahr deutlich zufriedener sind und dass sich diese im weiteren Zeitverlauf weiterhin verbessert“ (BMFSFJ 2012a: 14). Dies kann daran liegen, dass die Kinder mit zunehmendem Alter weniger Betreuungsbedarf haben und dadurch die Erwerbsmöglichkeiten besser werden.

Die meisten alleinerziehenden Mütter haben jedoch eine positive Haltung gegenüber der eigenen Lebenssituation entwickelt (BMFSFJ 2011: 7). Sie sind optimistisch, was ihre eigenen Bewältigungskompetenzen angeht und zeigen hohes Selbstbewusstsein. Das gilt auch für die Sicht der Eltern auf ihre Kinder. Sie berichten nicht häufiger über Problembelastungen und Problemverhalten ihrer Kinder als andere Eltern (Ziegler/ Seelmeyer 2011: 36).

Mit Blick auf die subjektive Sicht auf die eigene Lebenssituation zeichnet sich insgesamt eine Art Polarisierung ab. Es gibt Alleinerziehende, die die Unabhängigkeit des Lebens ohne Partner/in durchaus schätzen, auch wenn sie sich im Alltag mancherlei Herausforderungen stellen müssen. Es gibt aber auch Gruppen, die mit vielfältigen und häufig kumulativ auftretenden Problemen konfrontiert sind und die in hohem Maße unter Überforderung und Stress leiden. Diese Alleinerziehenden wünschen sich Unterstützung und Auswege aus einer Situation, die sie nicht gewünscht haben und mit der sie nicht zufrieden sind.


Literatur

BMAS, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2013): Alleinerziehende unterstützen – Fachkräfte gewinnen. Report 2013. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.)(2012a): Alleinerziehende in Deutschland – Lebenssituationen und Lebenswirklichkeiten von Müttern und Kindern, Monitor Familienforschung. Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik, Ausgabe 28. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.)(2012b): Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik. Achter Familienbericht. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2012c): Familienreport 2012. Leistungen, Wirkungen, Trends. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2011): Lebenswelten und -wirklichkeiten von Alleinerziehenden. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2008a): Alleinerziehende in Deutschland – Potenziale, Lebenssituationen und Unterstützungsbedarfe. Monitor Familienforschung, Ausgabe 15. Berlin.

BMFSFJ, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2008b): Alleinerziehende: Lebens- und Arbeitssituation sowie Lebenspläne. Ergebnisse einer Repräsentativumfrage im Herbst 2008 – Ergebnisband. Berlin.

Lois, D./ Kopp, J. (2011): Elternschaftskonstellationen bei Alleinerziehenden. In: Schwab, D./ Vaskovics, L.A. (Hrsg.), Pluralisierung von Elternschaft und Kindschaft. Familienrecht, Soziologie und Psychologie im Dialog. Sonderheft 8 der Zeitschrift für Familienforschung. Opladen & Farmington Hills MI: Barbara Budrich, S. 59-77.

Meier-Gräwe, U./ Kahle, I. (2009): Balance zwischen Beruf und Familie – Zeitsituation von Alleinerziehenden. In: Heitkötter, M./ Jurczyk, K./ Lange, A./ Meier-Gräwe, U. (Hrsg.): Zeit für Beziehungen? Zeit und Zeitpolitik für Familien. Opladen & Farmington Hills, MI : Barbara Budrich, S. 91-110.

Sander, E. (2011): Kinder in Einelternfamilien. In: Informationsdienst Forum online Sexualaufklärung und Familienplanung, Alleinerziehende im Lebensverlauf 1-2011, http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1385 (letzter Zugriff 9.12.2013)

Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2010): Alleinerziehende in Deutschland. Ergebnisse des Mikrozensus 2009. Wiesbaden.

Walper, S./ Wendt, E.-V. (2005): Nicht mit beiden Eltern aufwachsen – ein Risiko? In: Alt, C. (Hrsg.), Kinderleben – Aufwachsen zwischen Familie, Freunden und Institutionen, Schriften des DJI: Jugendpanel, Band 1, Aufwachsen in Familien. Wiesbaden, S. 187-216.

Ziegler, H. (2011): Auswirkungen von Alleinerziehung auf Kinder in prekärer Lage. Bielefeld. http://presse.healthcare.bayer.de/html/pdf/presse/de/digitale_pressemappen/Bepanthen/Factsheet_Studie.pdf  (Letzter Zugriff: 13.04.2015)

Ziegler, H./ Seelmeyer, U. (2011): Erleben und Bewältigung von Armut und Arbeitslosigkeit bei Alleinerziehenden. Ergebnisse einer empirischen Studie. In: ARCHIV für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, H.2, S. 32-42.


Autorin:

Angelika Engelbert
Leiterin des Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum.


Erstellungsdatum: 23.01.2014, letzte Aktualisierung am 13.04.2015
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