Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Familienfreundliche Verwaltung

Informationen für Familien - Familienrelevante Leistungen transparent machen

von Oliver Müller

Die Leistungen der Kommunen für Familien sind vielfältig. Familien fehlt es jedoch oftmals an Zeit, sich ausreichend über das vorhandene Angebotsspektrum zu informieren. Wie können familienrelevante Maßnahmen transparent gemacht werden?
Nachhaltige Veränderungen in den Bevölkerungs- und Familienstrukturen haben in den letzten Jahren das Thema Familie stärker in den Fokus kommunalpolitischer Entscheidungen rücken lassen. Familienfreundlichkeit ist für viele Städte und Gemeinden zu einem wichtigen Markenzeichen geworden: Es gibt bereits innovative Projekte und Maßnahmen, die zur Steigerung eines familienfreundlichen Umfeldes beitragen und konkrete Hilfe- und Unterstützungsleistungen für Familien ermöglichen. So können beispielsweise Eltern Unterstützungs- bzw. Orientierungshilfen erhalten oder kompetente Ansprechpersonen bei Erziehungsfragen aufsuchen. Gerade in der ersten Familienphase müssen junge Eltern neue Kompetenzen entwickeln, um den zunehmend komplexen Alltag zu bewältigen.

Eine familienfreundliche Kommune zeichnet sich vor allem durch ein breites und vielschichtiges Angebot aus, mit dem verschiedene Generationen in unterschiedlichen Familienphasen erreicht werden. Familienpolitische Maßnahmen müssen daher auch generationsübergreifend gedacht und geplant werden. Dabei ist es nicht nur wichtig, diese an die Bedürfnisse der Familien vor Ort anzupassen und Familien als Experten ihrer eigenen Lebens(um)welt wahrzunehmen; Familien müssen vor allem ausreichend über das Leistungsspektrum familienrelevanter Maßnahmen und Projekte innerhalb (und außerhalb) der Kommune informiert sein! Nur so ist gewährleistet, dass vorhandene Serviceleistungen rechtzeitig in Anspruch genommen werden (können). Gute Angebote, die schlecht kommuniziert werden, verfehlen ihre Zielgruppe.

Vor allem wenn eine zentrale Anlauf- bzw. Informationsstelle fehlt, kann ein breites Angebot unterschiedlichster Akteure in einer Gemeinde sehr schnell undurchsichtig werden. Oftmals fehlt es aufgrund der familiären und beruflichen Doppelbelastung einfach an Zeit, um sich über Maßnahmen und Möglichkeiten vor Ort immer wieder zu informieren. Auch kulturelle (Sprach-)Barrieren können eine Inanspruchnahme familienrelevanter Angebote verhindern. 
Deshalb sollte eine Kommune sich nicht nur die Frage stellen, welche neuen und innovativen Projekte zukünftig umgesetzt werden sollen, sondern auch, wie Familien über neue und/oder bereits bestehende Angebote in der Kommune ausreichend informiert werden können. Dabei sollte das komplette Angebotsspektrum unter Berücksichtigung aller familienpolitischen Akteure innerhalb der Kommune bedacht werden, um dem Querschnittsthema Familienpolitik gerecht zu werden.

Die Wege, über die Familien auf familienrelevante Angebote in der Kommune aufmerksam gemacht oder über gesetzliche Leistungsansprüche informiert werden können, sind vielfältig:

  • Elternbriefe bzw. Newsletter
  • Informationsflyer und -broschüren (z.B. Familienwegweiser)
  • Zentrale Anlaufstellen für Familien (z.B. Familienbüros)
  • Hausbesuche (z.B. Überbringung von Begrüßungspaketen)
  • Lokale Nachrichtenmedien (Radio, Zeitungen)
  • Internet (z.B. Familienportal, Soziale Netzwerke)
  • Institutionelle Vernetzungen (z.B. durch Flyeraustausch)
  • Öffentliche Veranstaltungen (z.B. Familientage)
  • Hotline bzw. Beratungstelefon (z.B. Notfalltelefon für Familien)
  • Marketing/Kooperation mit Unternehmen (z.B. Familienkarte)
Damit bestimmte Personengruppen nicht ungewollt ausgeschlossen und gewünschte Zielgruppen nicht verfehlt werden, sind niedrigschwellige Informationsangebote in der Kommune wichtig.

 

Niedrigschwellig informieren

In der Organisation ihres Alltages fehlt es Familien oftmals an Zeit, sich ausreichend über familienrelevante Angebote in der Kommune zu informieren. Daher ist es umso wichtiger, Familien in ihrer Lebenswelt abzuholen und den Aufwand zur Informationsbeschaffung so gering wie möglich zu halten. Zudem müssen auch strukturelle, kulturelle oder sprachliche Besonderheiten berücksichtigt werden. Niedrigschwelligkeit verlangt eine inhaltliche, zeitliche und örtliche Orientierung von (Informations-)Angeboten an der Lebenswelt von Familien (vgl. im Folgenden Deutscher Verein 2006: 146ff). Optimal wäre ein Informationsfluss, der Familien ohne zusätzlichen (zeitlichen) Eigenaufwand erreicht und keine Kosten verursacht, bzw. keine strukturellen oder sprachlichen Hürden aufbaut.

Familien zu informieren kostet Zeit und Geld. Allen Geboten der Niedrigschwelligkeit zu genügen, stellt sehr hohe Anforderungen an die Kommunen. Trotzdem sollte in Politik und Verwaltung ein Bewusstsein über die Kriterien der Niedrigschwelligkeit bestehen, damit bestimmte Personengruppen nicht ungewollt verfehlt werden. Zudem können viele Zielgruppen bereits durch eine Bündelung des Informationsflusses erreicht werden. 

 

Kriterien der Niedrigschwelligkeit

  • Situation vor Ort berücksichtigen: 
    Bestehende Sozialstrukturen vor Ort, wie beispielsweise selbst organisierte Treffen von Personen mit Migrationshintergrund, können genutzt werden, um Angebote bekannt zu machen. Dies steigert die Bereitschaft, sich auch an Projekten zu beteiligen.
  • Familienfreundliche (Öffnungs-)Zeiten
    In vielen Familien besteht Zeitmangel. Vor allem Alleinerziehenden oder berufstätigen Eltern fehlt die Zeit, um z.B. Informationsveranstaltungen zu besuchen oder Sprechstundenzeiten in Ämtern wahrzunehmen. Informationsangebote sollten daher nicht nur zu den üblichen Arbeitszeiten stattfinden, sondern auch die Randzeiten berücksichtigen.
  • Räumliche und finanzielle Hürden abbauen
    Gebühren können zur Exklusion von benachteiligten Familien führen. Unnötige Kosten zur Aufbereitung von Informationen sollten daher vermieden werden, damit diese nicht auf die Familien umgelegt werden müssen. Der Fokus sollte mehr auf den Inhalt und weniger auf die Präsentation gelegt werden – es müssen nicht immer Hochglanzbroschüren sein.

    Bedacht werden muss auch die räumliche Erreichbarkeit. Bei der Planung von Informationsveranstaltungen oder Familientagen sind daher beispielsweise auch die Fahrpläne des örtlichen ÖPNV zu berücksichtigen, um die Teilnahme zu erleichtern. Zugleich sollten verschiedene Räumlichkeiten oder Orte in einer Kommune genutzt werden, um alle Generationen in unterschiedlichen Familiensituationen und Lebenswelten zu erreichen.

    Gerade in schwierigen Lebenssituationen fehlt häufig die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und Informations- bzw. Beratungsstellen aufzusuchen, auch weil dies zu Gefühlen der Verunsicherung, Unzulänglichkeit und Schuld führen kann. Hier ist bereits bei der Aufbereitung von Informationen ein hohes Maß an Sensibilität und die Gewährleistung von Anonymität erforderlich.
  • Freiwilligkeit 
    Die Teilnahme an Informationsveranstaltungen sollte freiwillig sein. Verpflichtende Programme sollten in der Regel vermieden werden, um die Entscheidungssouveränität der Familien zu wahren. Zudem können Pflichtveranstaltungen die Akzeptanz für weitere familienrelevante Initiativen und Projekte verringern.
  • Präventive Information
    Familien sollten frühzeitig und gezielt über Angebote in der Kommune informiert werden, damit notwendige Unterstützung so früh wie möglich geleistet und entsprechende Lösungen angeboten werden können. Kommunale Akteure können hierbei auch aktiv auf Familien zugehen und mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickeln. Dadurch können weitere Bedarfe, lokale Besonderheiten oder ethnische-kulturelle Hürden ermittelt und Informationen zielgerecht vermittelt werden.

    Eine Kooperation mit verschiedenen Instanzen (Schwangerschaftsberatungsstellen, Geburtskliniken, KiTas, Jugendamt etc.) fördert eine frühe Kontaktaufnahme und hilft Unterstützungsbedarfe rechtzeitig zu erkennen. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Familien entsteht zudem eine Vertrauensbasis, und der Informationsaustausch mit der Familie bleibt gewährleistet.
  • Informationen aus einer Hand
    Hintergrundinformationen über familienrelevante Angebote (aller Akteure) in einer Kommune sollten für Familien möglichst über eine zentrale Anlaufstelle zugänglich gemacht werden. Dadurch sind die unterschiedlichen Angebote und Leistungen ein