Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Familienfreundliche Verwaltung

Informationen für Familien - Familienrelevante Leistungen transparent machen

von Oliver Müller

Die Leistungen der Kommunen für Familien sind vielfältig. Familien fehlt es jedoch oftmals an Zeit, sich ausreichend über das vorhandene Angebotsspektrum zu informieren. Wie können familienrelevante Maßnahmen transparent gemacht werden?
Nachhaltige Veränderungen in den Bevölkerungs- und Familienstrukturen haben in den letzten Jahren das Thema Familie stärker in den Fokus kommunalpolitischer Entscheidungen rücken lassen. Familienfreundlichkeit ist für viele Städte und Gemeinden zu einem wichtigen Markenzeichen geworden: Es gibt bereits innovative Projekte und Maßnahmen, die zur Steigerung eines familienfreundlichen Umfeldes beitragen und konkrete Hilfe- und Unterstützungsleistungen für Familien ermöglichen. So können beispielsweise Eltern Unterstützungs- bzw. Orientierungshilfen erhalten oder kompetente Ansprechpersonen bei Erziehungsfragen aufsuchen. Gerade in der ersten Familienphase müssen junge Eltern neue Kompetenzen entwickeln, um den zunehmend komplexen Alltag zu bewältigen.

Eine familienfreundliche Kommune zeichnet sich vor allem durch ein breites und vielschichtiges Angebot aus, mit dem verschiedene Generationen in unterschiedlichen Familienphasen erreicht werden. Familienpolitische Maßnahmen müssen daher auch generationsübergreifend gedacht und geplant werden. Dabei ist es nicht nur wichtig, diese an die Bedürfnisse der Familien vor Ort anzupassen und Familien als Experten ihrer eigenen Lebens(um)welt wahrzunehmen; Familien müssen vor allem ausreichend über das Leistungsspektrum familienrelevanter Maßnahmen und Projekte innerhalb (und außerhalb) der Kommune informiert sein! Nur so ist gewährleistet, dass vorhandene Serviceleistungen rechtzeitig in Anspruch genommen werden (können). Gute Angebote, die schlecht kommuniziert werden, verfehlen ihre Zielgruppe.

Vor allem wenn eine zentrale Anlauf- bzw. Informationsstelle fehlt, kann ein breites Angebot unterschiedlichster Akteure in einer Gemeinde sehr schnell undurchsichtig werden. Oftmals fehlt es aufgrund der familiären und beruflichen Doppelbelastung einfach an Zeit, um sich über Maßnahmen und Möglichkeiten vor Ort immer wieder zu informieren. Auch kulturelle (Sprach-)Barrieren können eine Inanspruchnahme familienrelevanter Angebote verhindern. 
Deshalb sollte eine Kommune sich nicht nur die Frage stellen, welche neuen und innovativen Projekte zukünftig umgesetzt werden sollen, sondern auch, wie Familien über neue und/oder bereits bestehende Angebote in der Kommune ausreichend informiert werden können. Dabei sollte das komplette Angebotsspektrum unter Berücksichtigung aller familienpolitischen Akteure innerhalb der Kommune bedacht werden, um dem Querschnittsthema Familienpolitik gerecht zu werden.

Die Wege, über die Familien auf familienrelevante Angebote in der Kommune aufmerksam gemacht oder über gesetzliche Leistungsansprüche informiert werden können, sind vielfältig:

  • Elternbriefe bzw. Newsletter
  • Informationsflyer und -broschüren (z.B. Familienwegweiser)
  • Zentrale Anlaufstellen für Familien (z.B. Familienbüros)
  • Hausbesuche (z.B. Überbringung von Begrüßungspaketen)
  • Lokale Nachrichtenmedien (Radio, Zeitungen)
  • Internet (z.B. Familienportal, Soziale Netzwerke)
  • Institutionelle Vernetzungen (z.B. durch Flyeraustausch)
  • Öffentliche Veranstaltungen (z.B. Familientage)
  • Hotline bzw. Beratungstelefon (z.B. Notfalltelefon für Familien)
  • Marketing/Kooperation mit Unternehmen (z.B. Familienkarte)
Damit bestimmte Personengruppen nicht ungewollt ausgeschlossen und gewünschte Zielgruppen nicht verfehlt werden, sind niedrigschwellige Informationsangebote in der Kommune wichtig.

 

Niedrigschwellig informieren

In der Organisation ihres Alltages fehlt es Familien oftmals an Zeit, sich ausreichend über familienrelevante Angebote in der Kommune zu informieren. Daher ist es umso wichtiger, Familien in ihrer Lebenswelt abzuholen und den Aufwand zur Informationsbeschaffung so gering wie möglich zu halten. Zudem müssen auch strukturelle, kulturelle oder sprachliche Besonderheiten berücksichtigt werden. Niedrigschwelligkeit verlangt eine inhaltliche, zeitliche und örtliche Orientierung von (Informations-)Angeboten an der Lebenswelt von Familien (vgl. im Folgenden Deutscher Verein 2006: 146ff). Optimal wäre ein Informationsfluss, der Familien ohne zusätzlichen (zeitlichen) Eigenaufwand erreicht und keine Kosten verursacht, bzw. keine strukturellen oder sprachlichen Hürden aufbaut.

Familien zu informieren kostet Zeit und Geld. Allen Geboten der Niedrigschwelligkeit zu genügen, stellt sehr hohe Anforderungen an die Kommunen. Trotzdem sollte in Politik und Verwaltung ein Bewusstsein über die Kriterien der Niedrigschwelligkeit bestehen, damit bestimmte Personengruppen nicht ungewollt verfehlt werden. Zudem können viele Zielgruppen bereits durch eine Bündelung des Informationsflusses erreicht werden. 

 

Kriterien der Niedrigschwelligkeit

  • Situation vor Ort berücksichtigen: 
    Bestehende Sozialstrukturen vor Ort, wie beispielsweise selbst organisierte Treffen von Personen mit Migrationshintergrund, können genutzt werden, um Angebote bekannt zu machen. Dies steigert die Bereitschaft, sich auch an Projekten zu beteiligen.
  • Familienfreundliche (Öffnungs-)Zeiten
    In vielen Familien besteht Zeitmangel. Vor allem Alleinerziehenden oder berufstätigen Eltern fehlt die Zeit, um z.B. Informationsveranstaltungen zu besuchen oder Sprechstundenzeiten in Ämtern wahrzunehmen. Informationsangebote sollten daher nicht nur zu den üblichen Arbeitszeiten stattfinden, sondern auch die Randzeiten berücksichtigen.
  • Räumliche und finanzielle Hürden abbauen
    Gebühren können zur Exklusion von benachteiligten Familien führen. Unnötige Kosten zur Aufbereitung von Informationen sollten daher vermieden werden, damit diese nicht auf die Familien umgelegt werden müssen. Der Fokus sollte mehr auf den Inhalt und weniger auf die Präsentation gelegt werden – es müssen nicht immer Hochglanzbroschüren sein.

    Bedacht werden muss auch die räumliche Erreichbarkeit. Bei der Planung von Informationsveranstaltungen oder Familientagen sind daher beispielsweise auch die Fahrpläne des örtlichen ÖPNV zu berücksichtigen, um die Teilnahme zu erleichtern. Zugleich sollten verschiedene Räumlichkeiten oder Orte in einer Kommune genutzt werden, um alle Generationen in unterschiedlichen Familiensituationen und Lebenswelten zu erreichen.

    Gerade in schwierigen Lebenssituationen fehlt häufig die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen und Informations- bzw. Beratungsstellen aufzusuchen, auch weil dies zu Gefühlen der Verunsicherung, Unzulänglichkeit und Schuld führen kann. Hier ist bereits bei der Aufbereitung von Informationen ein hohes Maß an Sensibilität und die Gewährleistung von Anonymität erforderlich.
  • Freiwilligkeit 
    Die Teilnahme an Informationsveranstaltungen sollte freiwillig sein. Verpflichtende Programme sollten in der Regel vermieden werden, um die Entscheidungssouveränität der Familien zu wahren. Zudem können Pflichtveranstaltungen die Akzeptanz für weitere familienrelevante Initiativen und Projekte verringern.
  • Präventive Information
    Familien sollten frühzeitig und gezielt über Angebote in der Kommune informiert werden, damit notwendige Unterstützung so früh wie möglich geleistet und entsprechende Lösungen angeboten werden können. Kommunale Akteure können hierbei auch aktiv auf Familien zugehen und mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickeln. Dadurch können weitere Bedarfe, lokale Besonderheiten oder ethnische-kulturelle Hürden ermittelt und Informationen zielgerecht vermittelt werden.

    Eine Kooperation mit verschiedenen Instanzen (Schwangerschaftsberatungsstellen, Geburtskliniken, KiTas, Jugendamt etc.) fördert eine frühe Kontaktaufnahme und hilft Unterstützungsbedarfe rechtzeitig zu erkennen. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Familien entsteht zudem eine Vertrauensbasis, und der Informationsaustausch mit der Familie bleibt gewährleistet.
  • Informationen aus einer Hand
    Hintergrundinformationen über familienrelevante Angebote (aller Akteure) in einer Kommune sollten für Familien möglichst über eine zentrale Anlaufstelle zugänglich gemacht werden. Dadurch sind die unterschiedlichen Angebote und Leistungen einer Kommune sowie anderer familienrelevanter Akteuren in Kreisen, Städten oder Gemeinden für Familien leichter abrufbar. Zudem werden durch eine zentrale Informationsstelle (z.B. Familien- bzw. Generationenbüro) unnötige Wege vermieden und für Familien entfällt zeitlicher Mehraufwand.

    Ein weiterer Vorteil der Bündelung von Informationen „in einer Hand“ liegt für Familien darin, auch mehr über Unterstützungsleistungen in prekären Lebenslagen bzw. in Notsituationen zu erfahren – ohne dass eine Stigmatisierung riskiert oder erfahren wird. 
  • Kulturelle und ethnische Besonderheiten
    Informationen sollten immer möglichst viele Personen erreichen – selbst dann, wenn der Fokus auf einer speziellen Zielgruppe, wie beispielsweise den Alleinerziehenden, liegen sollte. Gerade in Kommunen mit hohem Anteil von Familien mit Migrationshintergrund müssen auch die unterschiedlichen Situationen der ethnischen Gruppen bedacht werden, um ungewollte sprachliche oder kulturelle Zugangshürden zu vermeiden. Eine informative Beratung muss an der unmittelbaren Lebensrealität der Zielgruppe ansetzen. Das Wissen und das Verständnis von institutionellen Strukturen in Deutschland sind bei erst seit kurzer Zeit hier lebenden Familien erwartungsgemäß weniger ausgeprägt als bei Familien, die seit mehreren Generationen in Deutschland leben.

    Die Kommune sollte daher im Vorfeld ausreichend über die ethnische Zusammensetzung der Zielgruppe informiert sein und Informationen ggf. in verschiedenen (Bilder-)Sprachen bereit stellen. Durch Aufklärungsarbeit kann zudem die Toleranz der familienrelevanten Akteure gegenüber ethnischen Minderheiten erhöht werden, um kulturelle Besonderheiten im Informations- und Unterstützungsprozess berücksichtigen zu können.
  • Nutzung moderner Medien
    Neben der Nutzung klassischer Medien, wie zum Beispiel Elternbriefe oder Informationsflyer, ist die Einbindung digitaler Medien unverzichtbar geworden. Das Internet ist ein wichtiges Werkzeug der Informationsrecherche und ein Internetauftritt ist für eine Kommune heutzutage obligatorisch. Kommunale Webportale sind deshalb auch eine bedeutsame Plattform zur Aufarbeitung familienrelevanter Informationen (z.B. Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Anlaufstellen, Öffnungszeiten, aktuelle Termine, Angebotsübersichten etc.). Der Vorteil liegt vor allem in der zeitlichen und räumlichen Unabhängigkeit, wie, wann und wo Informationen abgefragt werden können.

    Hinzu kommt die steigende Relevanz sozialer Netzwerke (wie Twitter, Facebook, etc). Die Hauptfunktion dieser Dienste liegt in der Vernetzung von verschiedenen Akteuren (z.B. Privatpersonen und Unternehmen). Zur Informationsübermittlung bieten Sie den Vorteil, Informationen in der Regel zielgerecht an Interessenten heranzutragen, da Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Internetdiensten sich bewusst mit der entsprechenden Person bzw. Institution vernetzt haben. Dadurch erhalten (und erwarten) sie automatisch Informationen, ohne eigenen Recherecheaufwand betreiben zu müssen.
  • Gender Mainstreaming
    Bei der Bereitstellung und Übermittlung von Informationen ist es wichtig, die zu erreichende Zielgruppe im Blick behalten und zu entscheiden, ob eine Personengruppe genderneutral angesprochen oder Mütter und Väter gesondert berücksichtigt werden sollten. Genderspezifische Eingrenzungen können zur ungewollten Exklusion von Personengruppen führen.
  • Vernetzend informieren
    Familienrelevante Angebote der verschiedenen Akteure in einer Kommune stehen manchmal unverbunden nebeneinander und Informationen werden selten ausgetauscht. Vernetzung kann dabei helfen, Informationen über das eigene Ressort hinaus zu verbreiten. Durch einen institutionenübergreifenden Austausch von Informationsflyern wird ein dezentrales Informationsnetz geschaffen. Broschüren können zudem an unterschiedlichen Orten in der Kommunalverwaltung ausgelegt werden. Die einzelnen Institutionen haben dadurch die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für familienrelevante Angebote vor Ort erhöhen.

 

Informationswege: Beispiele aus der Praxis

Kommunen können Familien über verschiedene Zugangswege erreichen und informieren. Die Wahl des Informationsmediums oder des Instrumentes kann entscheidende Auswirkungen auf die Erreichbarkeit der Zielgruppe haben. Beispielsweise haben manche Familien in prekären Lebenslagen aufgrund fehlender finanzieller Mittel Probleme, Informationen zu Unterstützungsleistungen zu erhalten, die ausschließlich im Internet angeboten werden.

So unterschiedlich wie die eingangs aufgelisteten Informationswege sind auch die Maßnahmen der einzelnen Kommunen in Nordrhein-Westfalen, um Familien über die lokalen Leistungen und familienrelevanten Angebote aufzuklären. Serviceleistungen wie Elternbriefe, Begrüßungsbesuche oder spezielle Ratgeber für Familien gibt es zum Beispiel bereits in vielen Kommunen. Im Folgenden werden beispielhaft Maßnahmen zur Informationsvermittlung über familienorientierte Angebote aus einzelnen Kommunen vorgestellt, um die Möglichkeiten unterschiedlicher Informationswege zu verdeutlichen. 

 

Informationen aus einer Hand: Das Familiennetz in Werne

Trotz eines vielfältigen Angebotes an familienrelevanten Maßnahmen hatten Familien in der Stadt Werne oft keine oder nur unzureichende Kenntnis über die vorhandenen Leistungen in der Kommune. Deshalb beschloss die Stadt, ihre Angebotsstruktur zu optimieren und weitere Bedarfe zu ermitteln.

Ein Schwerpunkt war hierbei, die Beratung von Familien zu verbessern und einen strukturierteren Überblick über die angebotenen Leistungen zu schaffen. Dafür wurde in Werne 2009 eine zentrale Anlaufstelle unter dem Begriff FAMILIENnetzWerne eingerichtet. Diese ist angegliedert an die Abteilung Jugend, Familie und Bildung der Stadt Werne. Mit einem Onlineauftritt auf den städtischen Internetseiten und einer eigenen Infobroschüre versteht sich das Netzwerk als Ansprechpartner in allen Familienfragen.

Über die zentrale Anlaufstelle können Informationen über Kindertagesbetreuungen, freie Kindertagesplätze, Tagesmütterangebote, Krabbelgruppen, Kindergeld, Elternzeit, Freizeit- und Sportangebote, Bildungsangebote (Musikschule) etc. erfragt werden. Zugleich dient die Servicestelle der vernetzenden Beratung und informiert rund um das Thema Familie sowie über Kinder- und Jugendsprechstunde und gibt Auskunft über in Werne vorhandene Einrichtungen, Ärzte und Therapeuten.

Das Begrüßungspaket „Kid Box“ ist ein weiterer Bestandteil der Informationspolitik des Familiennetzes. Alle Eltern mit einem neugeborenen Kind erhalten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialen Dienstes – sofern erwünscht – einen Hausbesuch und werden auf diese Weise frühzeitig über bestehende Angebote und Hilfen informiert. Damit haben Familien die Gelegenheit rechtzeitig Fragen zu stellen und sich über gesetzliche Leistungen sowie kommunale Angebote zu informieren. Zudem beinhaltet das Begrüßungspaket u.a. Informationen über Gesundheit und Ernährung, zu Kinderbetreuungs- und Bildungsangeboten, Anträgen, Finanzen und wirtschaftlichen Hilfen sowie eine Angebotsübersicht über verschiedene soziale Einrichtungen der Stadt. Ebenso enthalten ist ein Elternbrief – als begleitender Ratgeber zur Entwicklung des Kindes – inklusive einer aufklärenden DVD „Das Leben beginnt“, um auch Eltern zu erreichen, welche visuelle Medien bevorzugen.

Das FAMILIENnetzWerne bietet zudem unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten durch regelmäßig stattfindende Treffen und Veranstaltungen (z.B. jährliches Familienfest), wo Familien über aktuelle Maßnahmen der Stadt informiert und neue Bedarfe ermittelt werden können. 

 

Aktiv informieren: Der Kreisfamilientag in Paderborn

Ein Familientag ist ein gutes Instrument, um Angebote für Familien transparent zu machen und ihnen direkte Beratung sowie fachlichen Austausch zu ermöglichen. Zudem können Familien in neue Projekte eingebunden werden, um die Beteiligung und die Akzeptanz zu erhöhen. Kommunen haben dadurch eine doppelte Chance: Einerseits können sie Informationen für Familien anbieten, andererseits haben sie die Gelegenheit, Wünsche, Vorschläge und Hinweise auf Bedürfnisse von Familien einzuholen (z.B. durch Diskussionsforen).

Der Kreisfamilientag in Paderborn dient hierbei als „Markt für Möglichkeiten“ für Familien. Verschiedene Anbieter familienrelevanter Leistungen stellen ihre Angebote vor und stehen für weitere Informationen zur Verfügung. Familien können sich auf diesem Weg bei Vereinen und Institutionen über angebotene Dienstleistungen im Familienbereich informieren. Zudem haben die einzelnen Akteure die Gelegenheit, sich untereinander austauschen und vernetzen.

Damit eine bessere Erreichbarkeit für Familien gewährleistet wird, findet der Kreisfamilientag im Abstand von zwei Jahren jeweils in einer anderen Kommune des Kreises Paderborn statt. 

 

Information mit Mehrwert: Der Flyer zum Einkaufsführer in Herten

Einkaufsführer oder Familienkarten dienen in erster Linie dazu, Vergünstigungen für kommunale und/oder kommerzielle Leistungen anzubieten und Familien finanziell zu entlasten. Sie können aber auch indirekt helfen, auf vorhandene Angebote aufmerksam zu machen und Hemmschwellen zur Inanspruchnahme besonderer Hilfeleistungen zu senken.

Seit 2009 verteilt die Stadt Herten mit Hilfe verschiedener Institutionen (KITAs, Kirchengemeinden, beteiligte Träger von Angeboten) einen Flyer zum „Herten-Pass“. Dieser enthält neben den Informationen zur Beantragung auch weitere Hinweise zu Vergünstigungen bei Bildungs- und Sportangeboten sowie zu Angeboten anderer Träger (Tafel/Caritas-Läden, Umweltwerkstatt), welche von Familien genutzt werden können. Zusätzlich wird über Floh- und Trödelmärkte sowie Kinderkleidermärkte und Kindertageseinrichtungen informiert.

Über diesen Weg erhalten Familien Hintergrundinformationen dazu, wie sie preiswerter haushalten können. Die Auflistung der teilnehmenden Institutionen gibt außerdem einen ersten Einblick über familienfreundliche Angebote in der Kommune. 

 

Zielgruppenorientiert: Elternbriefe in Köln

Elternbriefe können Familien bei Erziehungsfragen unterstützen, um möglichen Problemen vorzubeugen. Die Stadt Köln verschickt kostenlos an alle Eltern, die ihr Kind in Köln anmelden, automatisch Elternbriefe des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V. (ANE). So gehen den Eltern - über die ersten acht Lebensjahre des Kindes verteilt - 46 Briefe per Post zu, die sie bei der Erziehung des Kindes begleiten. Inhaltlich entsprechen die Briefe dabei dem jeweiligen Alter des Kindes.

Neben den regulären Elternbriefen können Eltern kostenfrei Briefe zu besonderen Themen anfordern, welche Informationen für spezielle Lebenslagen erhalten. Sie umfassen Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Hilfestellungen und Hintergrundinformationen für Eltern mit Kindern in der Pubertätsphase (von 10-13 und 13-18 Jahren) oder behandeln Fragen zur Erkennung sexuellen Missbrauchs und zur häuslichen Gewalt gegenüber Kindern. Zum Abbau kultureller Barrieren gibt es zusätzlich neun zweisprachige Elternbriefe in Deutsch und Türkisch, die von Eltern jedoch angefragt werden müssen.

Die Stadt Köln plant, zukünftig bei der Versendung dieser Elternbriefe Unterlagen über eigene Angebote für Familien beizufügen. Auf diese Weise kann sie zielgruppengerecht Personen in unterschiedlichen Lebensphasen und mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen erreichen. 

 

Digital informieren: Kinderstadtpläne in Jülich und Kaarst

Informationen können für alle Familien oder nur für bestimmte Personengruppen aufgearbeitet werden. Die Kinderstadtpläne der Kommunen Jülich und des evangelischen Jugendcentrum Holzbüttgen mit Unterstützung der Stadt Kaarst konzentrieren sich bewusst auf eine jüngere Zielgruppe und liefern dadurch eine anschauliche und kindgerechte Übersicht zu kommunalen Angeboten für Kinder und Jugendliche, wobei sicherlich auch andere von diesem Service profitieren.

Ferner bieten die Seiten im Einzelnen weitere Serviceleistungen an, wie zum Beispiel einen Freizeitkalender, ein Kinder- und Jugendforum oder einen Newsletter. Die Stadt Kaarst verknüpft zudem den Kinderstadtplan mit Google Maps und OpenStreetMap, wodurch die Umgebungssuche vereinfacht wird und detaillierte Wegbeschreibungen abgefragt werden können. Der Stadtplan Jülich liefert zudem Informationen über sichere Schulwege oder Hauptstraßen, an denen besondere Vorsicht geboten ist.

Die beiden Kinderstadtpläne der Kommunen zeigen, wie durch die Einbindung digitaler Medien Informationen für einzelne Zielgruppen entsprechend aufgearbeitet und angeboten werden können. 

 

Informieren als Dienstleistung

Diese Beispiele machen deutlich: Die Wege zu den Familien sind vielfältig – und diese Vielfalt ist notwendig! Viele Kommunen haben die Notwendigkeit erkannt, Familien aktiv über (kommunale) Angebote zu informieren oder generelles Hintergrundwissen zu Erziehungsfragen zu vermitteln, um präventive Hilfen zu gewährleisten.

Die Bereitstellung von Informationen, auch unter Berücksichtigung verschiedener Print- und Digitalmedien, sollte zum Dienstleistungsangebot jeder Kommune gehören. Unter dem Gebot der Niedrigschwelligkeit und der Zielgruppenorientierung können hierbei sowohl ganze Familien in unterschiedlichen Lebensphasen, als auch einzelne Familienmitglieder verschiedener Generationen direkt angesprochen und erreicht werden.

Mit einer für Familien angepassten Informationspolitik, können Kreise, Städte oder Gemeinden frühzeitig auf neue Projekte oder geplante Maßnahmen aufmerksam machen und bereits in der Planungsphase zu (mehr) Beteiligung aufrufen.

Die Möglichkeit, Informationsmaterial an unterschiedlichen Orten zu erhalten, kann darüber hinaus für Familien ebenso nützlich sein wie eine zentrale Anlaufstelle für akute Fragen. Wenn familienrelevante Akteure ihre Materialien untereinander austauschen können so institutionsübergreifend Informationsflyer oder –broschüren an verschiedenen Stellen angeboten werden, um ein dezentrales Informationsnetz für Familien zu etablieren.

Mit einer effizienten Informationspolitik macht die Kommune nicht nur die Leistungen für Familien deutlich, sondern entlastet sie auch bei der Suche nach Unterstützung, baut Hemmschwellen ab und steigert die Akzeptanz zur Teilnahme- bzw. Inanspruchnahme.


Literatur:

Deutscher Verein (2006): Niedrigschwelliger Zugang zu familienunterstützenden Angeboten in Kommunen. In: Schmidt, Nora (Hrsg.): Handbuch Kommunale Familienpolitik. Ein Praxisbuch für mehr Familienfreundlichkeit in Kommunen, Berlin, Eigenverlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V., S. 145 - 160.


Autor:

Oliver Müller
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum.


Erstellungsdatum: 15.08.2011
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