Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Erziehung, Bildung und Beratung

Aufsuchende Elternkontakte – Zielsetzungen, Konzepte und Wirkungen – Ergebnisse eines Evaluationsprojektes

von Christina Günther und Désirée Frese

Im Rahmen des Ausbaus präventiver Angebote haben viele Kommunen in den letzten Jahren Willkommensbesuche zur Begrüßung von Neugeborenen eingeführt. Dieser Text ist eine Bestandsaufnahme und Systematisierung der Verbreitung dieses Angebotes in Nordrhein-Westfalen.
Im Rahmen des Ausbaus präventiver Angebote zur Etablierung von Netzwerken früher Hilfen und sozialen Frühwarnsystemen sowie zur Verbesserung des Kinderschutzes haben viele Kommunen in den letzten Jahren Willkommensbesuche zur Begrüßung von Neugeborenen eingeführt. Diese kommunalen Babybegrüßungsdienste dienen der Information über familienrelevante Angebote für Eltern, die ein Kind bekommen haben. In den letzten Jahren ist eine Vielzahl von Varianten an Babybegrüßungsdiensten entstanden, die sich in ihren Schwerpunkten, der Beteiligung von Professionen und Institutionen unterscheiden. Bisher fehlte eine Bestandsaufnahme und Systematisierung der Verbreitung dieses neuen Angebotes und seiner konzeptionellen Vielfalt in Nordrhein-Westfalen.

 

Inhalte des Projektes

Vor diesem Hintergrund hat das Institut für soziale Arbeit e.V. in Nordrhein-Westfalen das Praxisentwicklungsprojekt „Aufsuchende Elternkontakte: Konzeptionen, Ziele, Wirkungen“ durchgeführt. Es wurde von der Aktion Mensch e.V. und dem Familienministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS) gefördert und dauerte von Mai 2010 bis April 2012. Erhoben wurden Erkenntnisse zum Angebot, Organisationsvarianten und Wirkungen aus Sicht der Eltern und Fachkräfte. Auf Basis der Erhebungen und qualitativen Befragungen wurden Empfehlungen für die Praxis zum Aufbau und zur Optimierung von Willkommensbesuchen formuliert. Als Projektstandorte wirkten die Kommunen Münster, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Dormagen und Köln mit.

Forschungsschritte

Das Projekt ist in zwei Untersuchungsteile gegliedert. Im ersten Untersuchungsteil, dessen Ergebnisse hier dargestellt werden, erfolgte im Rahmen einer quantitativen und qualitativen Studie eine Gegenstandsbestimmung zum Angebot „Willkommensbesuch“ und eine Bestandsaufnahme zur Existenz und Verbreitung von Organisationsvarianten in der nordrhein-westfälischen Praxis.

 

Ergebnisse der quantitativen Analyse


Verbreitung der Babybegrüßungsdienste in Nordrhein-Westfalen



Zum Zeitpunkt der Erhebung wurden alle nordrhein-westfälischen Jugendämter (n=184) mit einem Online Fragebogen zum Umsetzungsstand ihrer Babybegrüßungsdienste befragt. Den Rückmeldungen zufolge haben insgesamt 126 Kommunen und Kreise (68,5%) einen Begrüßungsbesuch bei Eltern zur Geburt ihres Kindes angeboten (Abb. 1). 13 Jugendämter (7%) meldeten zurück, dass sich zum Zeitpunkt der Datenerhebung die Umsetzung eines Elternbesuchsprogramms in der Planungsphase befand, so dass davon ausgegangen werden kann, dass sich die Zahl der Standorte, die einen Willkommensbesuch umsetzen, inzwischen erhöht hat. Lediglich 24,5% (n=45) der Jugendämter meldeten zurück, zum Zeitpunkt der Datenerhebung in ihrer Kommune bzw. ihrem Kreis keine Willkommensbesuche zur Geburt eines Kindes umgesetzt zu haben.




Koordination der Babybegrüßungsdienste in Nordrhein-Westfalen



Die Aufgabe der Koordination lag in 87% der Fälle überwiegend in der Gesamtverantwortung der öffentlichen Jugendhilfe (vgl. Abb. 2). In 14 Kommunen und Kreisen (12%) lag die Koordination in der Hand eines freien Trägers der Kinder- und Jugendhilfe. In einem Fall hatte das Gesundheitsamt des Kreises die Steuerungsverantwortung.












Organisationsvarianten der Babybegrüßungsdienste

Welche weiteren Institutionen an der Durchführung dieser Angebotsform beteiligt sind, zeigt Tabelle 1. Die Angaben der Standorte wurden zu sechs verschiedenen Organisationsvarianten auf Institutionen- bzw. Trägerebene zusammengeführt. Hierbei konnte eine deutlich heterogene Umsetzung dieser neuen Angebotsform festgestellt werden. Die Umsetzung in alleiniger Verantwortung des öffentlichen Jugendhilfeträgers stellt mit 62% die häufigste Variante dar, denn unter anderem gilt: „Auch für die Jugendämter ist es attraktiv, eigene Begrüßungsprojekte zu entwickeln. Der zu erwartende Imagegewinn in der Bevölkerung, die Öffnung der Zugänge zur Behörde und nicht zuletzt die Einrichtung zusätzlicher Stellen in den Allgemeinen Sozialen Diensten sind verheißungsvoll“. (Stork, 2008)

An zweiter Stelle steht die Kooperation zwischen dem öffentlichen Jugendhilfeträger und freien Trägern der Jugendhilfe (14%), gefolgt von der Umsetzungsvariante, bei der freie Träger in alleiniger Verantwortung die Babybegrüßungsdienste koordinieren und durchführen (10%). In 7% der Fälle existiert eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Jugendhilfeträger und Gesundheitswesen. Die beiden letzten abgrenzbaren Organisationsvarianten sind mit 2% bzw. 1% sehr selten vertreten.

Tabelle 1: Organisationsvarianten der Babybegrüßungsdienste in NRW (n=116)
Koordination Beteiligung an der Durchführung Anzahl (Prozent)
Variante 1 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger n= 72 (62%)
Variante 2 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger Freie Kinder- und Jugendhilfeträger n= 16 (14%)
Variante 3 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger / Träger bzw. freie MitarbeiterInnen der Gesundheitshilfe n= 8 (7%)
Variante 4 Freie Kinder- und Jugendhilfeträger Freie Kinder- und Jugendhilfeträger n= 12 (10%)
Variante 5 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger Öffentliche und freie Kinder- und Jugendhilfeträger (Familienzentren in unterschiedlicher Trägerschaft) n= 2 ( 2%)
Variante 6 Träger der Gesundheitshilfe Öffentliche Kinder- und Jugendhilfeträger und Institutionen der Gesundheitshilfe n= 1 (1% )


Qualifikation der Mitarbeiter

Mit 67% wird der größte Teil der die Elternbesuche umsetzenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Fachkräften des (sozial)pädagogischen Bereiches rekrutiert. In 12% der Fälle werden Hebammen und Kinderkrankenschwestern als Mitarbeiter der Gesundheitshilfe eingesetzt. In gleicher Häufigkeit existieren zudem Mischmodelle, in denen sowohl pädagogische Fachkräfte als auch Mitarbeiterinnen aus Heilberufen im Rahmen der Elternbesuche tätig sind. Ehrenamtlich engagierte werden in 9% der Fälle eingesetzt, wobei diese zum Teil (3% der Fälle) von pädagogischen Fachkräften unterstützt werden. Die Standorte, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung ehrenamtlich Tätige bei den Babybegrüßungsdiensten einsetzten, gaben an, diese vor ihrem Einsatz sach- und fachgerecht zu schulen.


Beschäftigungsstatus der Mitarbeiter



76% der Fachkräfte im aufsuchenden Elternkontakt sind überwiegend hauptamtlich beschäftigt, 9% arbeiten auf rein ehrenamtlicher Basis. Bei weiteren 6% liegt eine Mischfinanzierung vor, indem sowohl haupt- als auch ehrenamtlich Beschäftigte an der Umsetzung der Elternbesuche beteiligt sind. An sieben Standorten werden die besuchenden Fachkräfte auf Honorarbasis beschäftigt. Hinter der Kategorie „sonstige“ (n=4) verbergen sich weitere Mischfinanzierungsmodelle.

 

Ergebnisse der qualitativen Konzeptanalyse

Zur Vertiefung der quantitativen Ergebnisse wurden die Konzeptpapiere von 21 Standorten mit häufigen und seltenen Organisationsvarianten von Willkommensbesuchen im Hinblick auf Begründungen, Zielbestimmungen und Prozesse näher analysiert. Die Variante 6 konnte nicht in die Analyse einbezogen werden, da der einzige Standort, der den Willkommensbesuch nach diesem Ansatz anbietet, kein schriftliches Konzept eingereicht hatte.

Zielbestimmungen der Angebote zum „Willkommensbesuch“

Die bedürfnisorientierte Information der Eltern findet sich in allen Konzepten wieder. Ein anderes sehr häufig genanntes Ziel ist, je nach Bedarf der Eltern, Hilfeangebote zu vermitteln (16 Konzepte). Die Vermittlungstätigkeit wird oft mit dem Ziel verbunden (10), die Erziehungskompetenz der Eltern zu steigern, i.d.R. durch Beratung der aufsuchenden Fachkräfte oder Bewerbung von bzw. Vermittung in ergänzende Angebote. Zudem ist in manchen Konzepten (7) ein erklärtes Ziel, zu Aspekten der Gesundheitsförderung zu informieren. Weiter soll der Babybegrüßungsdienst z.B. die Familienfreundlichkeit der Kommune steigern (9), eine frühzeitige Erkennung von Belastungen und niedrigschwellige Unterstützung befördern (13). Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die identifizierten Ziele, die die häufigsten Nennungen hatten. Weitere Zielkategorien wie z.B. „Ehrenamt fördern“ oder „über Früherkennungsuntersuchungen informieren“ wurden nur sehr selten genannt und sind deshalb hier nicht aufgeführt.

Tabelle 2: Übersicht der identifizierten Zielkategorien und Häufigkeit ihrer Nennung in Konzepten (nur Zielkategorien mit mind. 7 Nennungen)

Ziele Anzahl
Informieren, Informationen filtern 21
Hilfeangebote vermitteln 16
Frühzeitiges Erkennen und Unterstützen bei Belastungen 13
Zugang zu den Eltern schaffen 13
Erziehungskompetenz stärken 10
Familienfreundlichkeit der Kommune steigern 9
Gesundheit des Kindes fördern 7
Kinderschutz verbessern 7

Zusammenfassend haben sich auf Grundlage der ermittelten Zielkategorien folgende drei Schwerpunktsetzungen herauskristallisiert.

Schwerpunkt „Familienfreundlichkeit steigern“

Mit dem Ziel „Familienfreundlichkeit steigern“ soll der Babybegrüßungsdienst vor allem dazu dienen, die Kommune zu repräsentieren und ihre Familienfreundlichkeit darzustellen. Das anonyme „Kommune-Bürger-Verhältnis“ soll persönlicher gestaltet werden. Weiter soll der Babybegrüßungsdienst auch Bedarfslagen und Wünsche zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur für Familien sammeln. Der Besuchsdienst fungiert im Rahmen des Willkommensbesuches hier sowohl als „Repräsentant“ für die Kommune als auch als „Botschafter“ oder „Vermittler“ zwischen Eltern und Kommune. Konzepte, in denen dieses Ziel stark hervorgehoben wird, betonen die Vermittlungstätigkeit des Babybegrüßungsdienstes weniger stark. Es geht mehr darum, das Kind in der Kommune willkommen zu heißen, die Eltern über die familienunterstützenden Maßnahmen der Kommune zu informieren und als „kompetenter Partner“ für die Familien aufzutreten. Das folgende Textbeispiel erläutert diese Zielbestimmung:

„Familien [...] sollen in der Weise unterstützt werden, als familien- und situationsgerechte Angebote, die bereits bei der Stadt xxx und den freien Trägern vorhanden sind, gebündelt und den Betroffenen erleichternd zugänglich gemacht sowie mit den Betroffenen gemeinsam und bedarfsorientiert neue Angebote initiiert und aus stadt- und familienpolitischer Sicht familienfreundliche Strukturen fortentwickelt werden.“

Schwerpunkt „Frühzeitiges Erkennen von Belastungen und Angebotsvermittlung“

Einige Konzepte verweisen auf die Problematik, dass belastete Familien durch die in den Hilfesystemen verbreitete Komm-Struktur die für sie hilfreichen Angebote nicht wahrnehmen. Der Babybegrüßungsdienst wird als geeignetes Instrument gesehen, bedürftige, aber dem Jugendhilfesystem ferne Eltern kennen zu lernen, ihnen die passenden Angebote direkt zu offerieren und bei Bedarf zu vermitteln.

Als besonders hilfreich wird dabei der persönliche Kontakt zwischen Besuchenden und Besuchten gewertet, der die Chance zur Entwicklung einer „Vertrauensbeziehung“ bietet und auf dieser Grundlage die sofortige oder spätere Wahrnehmung von Hilfen erleichtern sowie „Hemmschwellen“ zur Wahrnehmung von Hilfen abbauen soll. Weiter möchte man mit dem Angebot „Willkommensbesuch“ einen nicht stigmatisierenden Zugang zu den belasteten Familien ermöglichen, indem alle Eltern in einer Kommune besucht werden. Der Besuchsdienst fungiert in Konzepten mit diesem Schwerpunkt nicht nur als „Botschafter“ der Kommune und als „Wegweiser durch das Hilfelabyrinth“ sondern auch als „Bootsführer“, der die Familien direkt zum Angebot bringt. Hierbei wird die Hilfevermittlung stärker forciert, z.B. durch die Möglichkeit, dass die Fachkraft bei Bedarf ein bis zwei weitere Male zur Beratung kommen kann und die Vermittlung in Hilfen intensiver begleiten kann. Folgendes Zitat aus einem Konzept veranschaulicht diesen Schwerpunkt:

„Viele hochbelastete Familien finden nicht den Weg in eine Familienbildungsstätte mit klassischer Kommstruktur. Um Unterstützungs- und Hilfebedarfbedarfe solcher Familien überhaupt wahrzunehmen, sehen wir es als erforderlich an, im Sinne einer Geh-Struktur die Familien zu Hause zu besuchen. [...] Diese nicht stigmatisierende Vorgehensweise bietet die größte Chance zur Kooperationsbereitschaft der Familien und Wahrnehmung von Problemlagen.“

Diese Schwerpunktsetzung verlangt eine sehr rege und lebendige Vernetzung (z.B. in einem Netzwerk Frühe Hilfen oder einem sozialen Frühwarnsystem) und geht oft damit einher, dass der Babybegrüßungsdienst eine zentrale Rolle in der lokalen Vernetzung übernimmt. Die Koordination der Willkommensbesuche trägt dabei auch wesentlich zu einer kommunalen Hilfekoordination für Familien insgesamt bei. In Abgrenzung zum Schwerpunkt „Familienfreundlichkeit steigern“ geht dieser Ansatz über die Weitergabe von Informationen als eine kommunale, familienpolitische Serviceleistung hinaus und verbindet den Willkommensbesuch stärker mit der Intention, einen Zugang zu unterstützungsbedürftigen Familien zu schaffen und mit der Möglichkeit, diese bei Bedarf umfangreicher beraten und nötige Unterstützungsangebote vermitteln zu können.

Schwerpunkt „Eigenständiges Beratungsangebot vorhalten“

Die dritte Schwerpunktsetzung umfasst das Vorhalten eines umfassenden Beratungsangebotes für die nachgeburtliche Phase, mit dem der Besuchsdienst die Eltern unmittelbar berät und unterstützt. Der Willkommensbesuch kann ad hoc zu einem eigenständigen Hilfeangebot werden. Möglich sind mehrere Folgetermine und die Zusammenarbeit mit Fachkräften aus dem Gesundheitswesen (z.B. Hebammen und Kinderkrankenschwestern), die von ihrer Ausbildung her detailliertes Fachwissen zur nachgeburtlichen Betreuung von Neugeborenen, Müttern und den Familien insgesamt besitzen. Folgendes Zitat illustriert diesen Zielschwerpunkt: „Drei Kinderkrankenschwestern mit Zusatzqualifikationen im Bereich der frühen Kindheit und Heilpädagogik, bieten individuelle Beratung zur Förderung der Entwicklung des Säuglings und des Kleinkindes bis zu drei Jahren, Unterstützung und Begleitung bei besonderen Belastungen, Stillunterstützung sowie Beratung zum Thema Ernährung an.“

In Abgrenzung zu den beiden anderen Schwerpunkten verfolgt dieser Ansatz die größte inhaltliche Varianz und Intensität an Informations- und Beratungsleistungen für Familien. Je nach Bedarf kann der Willkommensbesuch ein einmaliger Informationsservice sein oder zu einer längeren intensiven Beratung und Begleitung der Familie werden.

 

Ausblick

Das Angebot „Willkommensbesuch“ wurde zum Zeitpunkt der Datenerhebung im Juli/August 2010 bereits von knapp 70% der Kommunen im Land Nordrhein-Westfalen durchgeführt und ist damit auf dem bestem Wege, ein neues „Regelangebot“ der Jugendhilfe zu werden.

Die ersten Ergebnisse der Gegenstandsbestimmung haben dabei die Vielfalt der Organisationsvarianten und der Zielbestimmungen der Willkommensbesuche aufgezeigt. Darüber hinaus wird im Rahmen dieser ersten Bestandsaufnahme auch das fachliche Potential dieses Angebotes sichtbar. Die Besuchsdienste können im Sinne einer familienpolitischen Serviceleistung, der Schaffung eines niedrigschwelligen Zugangs zu unterstützungsbedürftigen Familien und einer gezielten Angebotsvermittlung sowie als ein in der Intensität und im Inhalt flexibles Beratungs- und Hilfeangebot für Familien in der nachgeburtlichen Phase eingesetzt werden. Die Varianz der Ziele, die mit dem Willkommensbesuch verknüpft werden, bildet dabei in gewisser Weise auch die Heterogenität der Organisationsformen ab. Unterschiedliche Träger sind in der Koordination tätig und an der Durchführung beteiligt. Verschiedene Professionen sind in unterschiedlichen Beschäftigungsformen mit der Umsetzung betraut.

Als deutliche Trends können beobachtet werden, dass der öffentliche Träger in den meisten Kommunen in der Umsetzung der Willkommensbesuche federführend ist und mehrheitlich pädagogische Mitarbeiter in hauptamtlichen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Allerdings ist auch offensichtlich geworden, dass die Umsetzung der Babybesuchsdienste unter dem Dach des öffentlichen Trägers an eine Vielzahl verschiedener Abteilungen und Fachdienste (ASD, Abteilungen der Familienförderung, Familienbüros, Familienzentren) angebunden wird. Wenn freie Träger die Verantwortung in der Koordination der Willkommensbesuche übernehmen, geht dieses oftmals mit einem Anstieg an der Beteiligung von verschiedenen Professionen und Beschäftigungsformen einher.

Gemeinsam ist den verschiedenen Organisationsvarianten, dass sie sich den gleichen Herausforderungen und offenen Fragen stellen müssen. So müssen sie unter anderem fachliche Antworten darauf finden, wie sich der Willkommensbesuch im Spannungsfeld zwischen Beratung und Kontrolle aufstellen lässt, wie die Besuche konform der datenschutzrechtlichen Bestimmungen gestaltet werden können und wie sich dieses Angebot im Netzwerk der Hilfesysteme als Regelangebot etablieren kann. Eine wichtige Wirkung des Babybesuchsdienstes kann dabei sein, als Bindeglied und „Sprachrohr“ zwischen Kommune und Familien zu fungieren und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituationen für Familien zu initiieren. So kann der Willkommensbesuch dazu beitragen, dass Familien einen ersten positiven Eindruck von der Jugendhilfe erhalten. Er leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Imageverbesserung der Jugendhilfe, vor allem der Jugendämter, die oftmals noch als reine Eingriffsbehörden verstanden werden. Umgekehrt kann die Jugendhilfe durch den direkten Kontakt zu den Familien erfahren, welche Bedarfe und Nöte bestehen und strukturelle Verbesserungen für Familien auf kommunalpolitischer Ebene anregen. Die Familien erfahren durch den Besuch eine Wertschätzung und erhalten die Möglichkeit, sich über die Weitergabe von konkreten Verbesserungsvorschlägen an die Fachkräfte der Babybegrüßungsdienste indirekt an der kommunalen Familienpolitik zu beteiligen.

Es handelt sich um eine gekürzte Fassung des Originaltextes: Günther, Christina/ Frese, Désirée: Aufsuchende Elternkontakte – Zielsetzungen, Konzepte und Wirkungen – Ergebnisse eines Evaluationsprojektes. In: Institut für soziale Arbeit (Hrsg.) (2011): ISA-Jahrbuch zur Sozialen Arbeit 2011. Münster (Waxmann), S. 232-255 (Quelle: http://www.isa-muenster.de/cms/upload/pdf/fruehe-kindheit-familie/Frese_Guenther_Elternbesuchsdienste_ISA_Jahrbuch_2011.pdf)

Literatur

Stork, R. (2008): Kommunale Babybegrüßungsdienste – die frühesten „Frühen Hilfen“ nach der Geburt. Vortrag in Münster im September 2008. (Quelle: http://www.diakonie-rwl.de/cms/media//pdf/publikationen/20080930_Dr._Remi_Stork.pdf, abgerufen am 27.07.11)


Autorinnen

Dr. Christina Günther und Désirée Frese

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) in Münster.



Erstellungsdatum: 20.08.2012
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