Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Handlungsbereiche

Ökonomische Situation

Mangel an Einkommen bzw. Einkommensarmut ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für soziale Benachteiligungen, insbesondere von Kindern. Soziale Teilhabechancen der Familienmitglieder etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich werden maßgeblich durch die finanzielle Situation einer Familie bestimmt.
Etwa seit Mitte der 1980er Jahre zeigte sich parallel zu einer nachhaltigen Veränderung familialer Strukturen in der Bevölkerung eine zunehmende Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation von Familien in Deutschland. Haushalte mit Kindern sind seitdem zunehmend von Transferleistungen abhängig.

 

Einfluss von Familienform und Kinderzahl

Unterschiede in der ökonomischen Situation der Familien ergeben sich oftmals insbesondere bezüglich der Familienform und der Kinderzahl. So verfügen Alleinerziehende und kinderreiche Familien besonders häufig nur über niedrige Einkommen und sind damit signifikant häufiger von Armut bedroht.

Im Jahr 2010 lag das Armutsrisiko der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen insgesamt bei 14,7 Prozent, für Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren bei 37,6 Prozent und für Familien mit drei und mehr Kindern bei 27,3 Prozent. Darüber hinaus sind Familien mit Zuwanderungsgeschichte schlechter gestellt. Die Armutsrisikoquote minderjähriger Kinder liegt mit rund 18 Prozent bundesweit höher als die der Gesamtbevölkerung (14,5 Prozent). Minderjährige tragen somit ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko. Ein ebenso hohes Risiko besteht für die Gruppe der Alleinerziehenden. Mehr als ein Drittel aller armutsgefährdeten Minderjährigen lebt in Alleinerziehendenfamilien.

Hinzu kommt, dass viele Mütter in Deutschland während der Erziehungsphase und oft auch darüber hinaus weiterhin in starkem Maße von einem Familienernährer abhängig und auf familiale Unterstützung angewiesen sind. Männliche Alleinverdiener in einer klassischen Ernährerfamilie aber können immer seltener ein hinreichend hohes Einkommen erzielen, mit dem Einkommensarmut vermieden werden könnte.

 

Räumliche Abbildung von Ungleichheiten

Die wirtschaftliche Situation von Familien variiert aber nicht nur mit der Familienform erheblich. Ungleichheiten in der wirtschaftlichen Situation bilden sich auch räumlich ab.

Der Anteil der Familien in den Städten ist gesunken. Viele Familien, die es sich leisten konnten, sind in das Umland gezogen.
In den Städten ist Familie heute die Lebensform der Armen und der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die häufig konzentriert in eher benachteiligten Wohngebieten leben. Damit einhergehen kann eine Kumulation von sozialen Problemen.

 

Kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten

Trotz der hauptsächlichen Zuständigkeit des Bundes für materielle unterstützende Familienpolitik gibt es auch für Kommunen unterschiedliche Möglichkeiten, Familien finanziell zu entlasten. Einige dieser Möglichkeiten sind:
  • Begrüßungsgeld für Neugeborene
  • Ausrichtung kommunaler Gebühren an der Familiengröße
  • Ausstellung eines „Familienpasses“, der Ermäßigungen bei der Nutzung öffentlicher, ggf. auch kommerzieller Einrichtungen gewährt.
Für die kommunale Familienpolitik bedeutet dies, besonders die sozialen Folgen dieser Entwicklungen anzugehen, z.B. durch eine Verbesserung des Bildungsniveaus und der Bildungszugänge, eine intensivierte Beratung von Familien in armutsnahen Milieus, oder durch die finanzielle Unterstützung für Familien in wirtschaftlich benachteiligten Lebenssituationen.

Erstellungsdatum: 30.10.2007, letzte Aktualisierung am 16.05.2013
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