Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Bevölkerungs- und Familienstrukturen

Aktuelle Familienstrukturen

Bei der statistischen Beschreibung privater Lebensformen hat sich die Unterscheidung zwischen Haushalten und familialen Lebensformen durchgesetzt. Für die Feststellung von Haushaltsformen ist das Kriterium der gemeinsamen Haushaltsführung entscheidend, während als konstitutives Merkmal familialer Lebensformen das Zusammenleben von Erwachsenen mit (minderjährigen) Kindern gilt.
Mit der Lebenswirklichkeit von Familie verändert sich auch das Verständnis von Familie. Kennzeichnend für solche Veränderungen ist eine zunehmende Verselbständigung von Partnerschaft, Elternschaft und Verwandtschaft. Familie ist heutzutage vor allem ein Ergebnis von individuellen Wahlentscheidungen und von Umwelteinflüssen. Während der Fünfte Familienbericht Familie als Ort definiert „wo Kinder“ sind, hebt der Siebte Familienbericht in seiner Definition von Familie vor allem die Solidarleistungen hervor. Familie ist demnach eine „Gemeinschaft mit starken Bindungen, in der mehrere Generationen füreinander sorgen.“ 

 

Familienformen

Im Jahr 2009 handelte es sich bei fast drei von vier Familien um ein verheiratetes Paar mit Kindern (72%), bei 19% um allein erziehende Frauen oder Männer und in 9% der Fälle um nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern. Bei den Alleinerziehenden handelte es sich in aller Regel (90%) um alleinerziehende Mütter. Von den alleinerziehenden Elternteilen waren die meisten geschieden (42%) oder ledig (35%).  
Trotz aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Lebensentwürfe ist die Familie, in der ein miteinander verheiratetes Paar mit Kindern zusammen lebt, also immer noch die dominierende familiale Lebensform in Deutschland.  

Ein-Kind-Familien überwiegen

Weiterführende Informationen

Im Jahr 2008 lebten 76% der ledigen Kinder bei ihren verheirateten Eltern, 16% bei einem alleinerziehenden Elternteil (15% Mütter, 1% Väter) und 7% in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. 52% aller Familien waren Ein-Kind-Familien. Lediglich in etwas mehr als einem Drittel aller Familien lebten zwei Kinder und in nur 11% der Familien lebten drei oder mehr Kinder unter 18 Jahren.

Ost-West-Vergleich

2005 waren 52% der westdeutschen Familien und 62% der ostdeutschen Familien Ein-Kind-Familien. Zwei Kinder lebten in 38% der westdeutschen Familien und in 31% der ostdeutschen Familien. In 13% der Familien im früheren Bundesgebiet bzw. in 7% der Familien in den neuen Ländern wuchsen 2005 drei und mehr Kinder auf. Im Schnitt lebten im Jahr 2005 in Westdeutschland 1,65 Kinder und in Ostdeutschland 1,44 Kinder in einer Familie.

Verwandtschaftsverhältnis der Kinder zu den Eltern

Kinder wachsen heute häufiger in Stieffamilien auf. Im Jahr 2005 waren 13,6% aller Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren Stieffamilienhaushalte. Insgesamt lebten 2005 etwa 11% der Kinder unter 18 Jahren in Stieffamilien. Da Kinder nach einer Trennung in den meisten Fällen bei der Mutter aufwachsen, gibt es mehr Stieffamilien mit einem Stiefvater als mit einer Stiefmutter: in zwei Drittel aller Stieffamilien lebt ein Stiefvater.

Ost-West-Vergleich

Im Vergleich zum Westen Deutschlands (13,2%) lag 2005 die Quote der Stieffamilien im Osten mit 15,2% etwas höher. Allerdings lebten in den alten Bundesländern mit ca. 15% mehr Kinder in Stieffamilien als im restlichen Bundesgebiet (10%).

 

Erwerbstätigkeit

Familienstrukturen und elterliche Erwerbstätigkeit hängen eng miteinander zusammen. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnt die Teilzeitarbeit und die geringfügige Beschäftigung eine zunehmende Bedeutung. Die Erwerbstätigkeitsquoten von Müttern unterscheiden sich nach der Anzahl ihrer Kinder sowie nach deren Alter. So waren 2008 lediglich 29% der Mütter, deren jüngstes Kind unter drei Jahre alt ist, aktiv berufstätig. Hingegen gehen über die Hälfte (59%) der Mütter einer Erwerbstätigkeit nach, deren jüngstes Kind zwischen drei und fünf Jahren alt ist. Unter Müttern, deren jüngstes Kind im Alter zwischen zehn und 14 Jahren ist, liegt die Erwerbstätigkeitsquote bei 70%.  

Weiterführende Informationen

Mütter in den ostdeutschen Bundesländern sind auch mit kleinen Kindern und mit größerer Kinderzahl sehr viel häufiger als Mütter in den westdeutschen Bundesländern auf einer Vollzeitstelle erwerbstätig.   

 

Familien mit Zuwanderungsgeschichte

Von den 8,2 Millionen in Deutschland lebenden Familien hatte 2009 gut jede Vierte (28%) einen Zuwanderungshintergrund. Familien mit Zuwanderungsgeschichte unterscheiden sich teilweise deutlich in ihren Lebensformen von Familien ohne Zuwanderungshintergrund. 86% der Familien mit Zuwanderungsgeschichte waren Paarfamilien mit Kindern. Dies war nur bei 79% der Familien ohne Zuwanderungsgeschichte so. In nur 14% der Familien ist ein Elternteil alleinerziehend. Bei Familien ohne Zuwanderungsgeschichte sind es 20%.

Erstellungsdatum: 25.09.2007, letzte Aktualisierung am 23.05.2011
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