Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Fachkongress 2012

Fachforum 2: Soziale Unterstützung für Familien

© Marek Eggemann, RevierA GmbH, Essen
Die Palette sozialer Unterstützung für Familien ist breit. Sie reicht vom Ratschlag über emotionalen Beistand bis hin zu materiellen und praktischen Hilfen. Im Fachforum wurden verschiedene Facetten von Praktikern, Eltern und Wissenschaftlern benannt und diskutiert.

Was Oberhausener Eltern zur sozialen Unterstützung für Familien in Oberhausen sagen

Zur Annäherung an die Themen der sozialen Unterstützung präsentierte Frau Friedrichs als Elternvertreterin zunächst Erwartungen von Oberhausener Eltern. Anhand einer selbst gebastelten Menschenkette wurde gezeigt, wie vielfältig die sozialen Netzwerke und die informellen und professionellen Unterstützungsangebote für Familien sein können. So waren für die Oberhausener Eltern folgende sozialen Unterstützungsangebote wichtig: Schule, Lehrer, Sozialarbeit, Drogenberatung, Sozialverband, Caritas, Sportvereine, Gemeinde, Familie und Großeltern. Auf die Frage, in welchen Bereichen sich Eltern mehr Unterstützung wünschen würden, gaben die Eltern an, dass sie sich mehr Betreuungsplätze für Kinder unter zwei Jahren wünschen und auch insgesamt gerne mehr Betreuungsplätze in Wohnortnähe hätten. Als hilfreich wurden weiterhin günstigere Kitabeiträge, flexiblere Abholzeiten im Offenen Ganztag und auch mehr Informationen zu den Einrichtungen der Stadt eingestuft. Auch wollten die Familien gerne mehr Familienparkplätze sowie Unterstützung bei der Beantragung von finanziellen Hilfen.

Freunde, Verwandte und Bekannte: eine unverzichtbare Ressource für Familien

Prof. Dr. Stephan Barth führte in das Thema „soziale Unterstützung“ ein. Er machte deutlich, dass Familien sehr stark auf informelle soziale Unterstützungsangebote angewiesen sind und dass Freunde, Verwandte und Bekannte eine unverzichtbare Ressource für Familien darstellen. Dabei kann soziale Unterstützung viele positive Effekte haben. In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass soziale Unterstützung die negativen Effekte von Stress und Belastung „abpuffert“, dass sie bei andauerndem Stress vor chronischen Krankheiten schützt und dass soziale Unterstützung grundsätzlich auch dann positiv wirksam ist, wenn keine Stressbelastung vorliegt.

Wichtigste Unterstützungsperson ist der Partner oder die Partnerin

Die Quellen sozialer Unterstützung sind vielfältig. Potentielle Unterstützer können Ehe- bzw. Beziehungspartner sein, aber auch Verwandte, Freunde und Bekannte. Empirisch belegt ist dabei, dass der Partner/die Partnerin die wichtigste Unterstützungsperson ist. Von großer Bedeutung sind auch Eltern und Großeltern. Sie leisten praktische und informative Hilfen, unterstützen die Organisation des familiären Alltags und versorgen und betreuen die Kinder. Freunde und Bekannte sind nach den Verwandten die zweitgrößte Gruppe in den familiären Beziehungssystemen. Auch sie leisten wichtige alltägliche Hilfen, z.B. bei persönlichen Problemen, oder alltagspraktische Unterstützung wie beispielsweise Renovierungsarbeiten. Weiteres Unterstützungspotential liegt in der nachbarschaftlichen Hilfe. Wesentliche Unterstützungsleistungen betreffen dabei die Kinderbetreuung in Notsituationen oder auch die Versorgung von Pflanzen oder Haustieren während der eigenen Abwesenheit.

Arme und Alleinerziehende verfügen über ein geringeres Unterstützungspotential

Nicht alle Familien verfügen über ausreichende soziale Unterstützung. So gibt es vor allem bei Alleinerziehenden und Familien in Armut ein geringeres Unterstützungspotential. Studien belegen zum Beispiel, dass Alleinerziehende über weniger Unterstützungskontakte verfügen und auch weniger unterstützende Bezüge im Nahraum haben.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten der Netzwerkförderung

Abschließend demonstrierte Prof. Dr. Stephan Barth die vielfältigen Möglichkeiten der Netzwerkförderung, z.B. durch Schaffung von Partizipationsmöglichkeiten oder auch durch eine kommunikationsfreundliche Gestaltung öffentlicher Räume und Quartiere. An einem praktischen Beispiel wurde deutlich, dass eine gut funktionierende Netzwerkförderung bereits mit einfachen Mitteln möglich ist. So bietet z.B. das „Südviertelbüro“ in Münster einen Treffpunkt für junge Eltern an. Sie haben dort die Möglichkeit, sich zu informieren und beraten zu lassen sowie Kontakte zu anderen Familien zu knüpfen. Soziale Unterstützung wird dabei durch den gegenseitigen Austausch und durch die Kontakte der Eltern untereinander gefördert.

Familiäre Unterstützung im Kreis Siegen-Wittgenstein

Im Anschluss an den wissenschaftlichen Vortrag berichtete Gerold Wagener aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein, wie dort die Unterstützung für Familien gestaltet wurde. Dabei schilderte er den strategisch ausgerichteten Prozess zum Ausbau einer Kreis-Familienpolitik im Rahmen der Initiative „Familie ist Zukunft“. Mit dem Ziel, junge Familien im Kreis zu halten, das Leben für sie attraktiver zu gestalten und die besonderen Bedürfnisse von Familien in den Blickpunkt politischen Handelns zu rücken, wurde vom Kreistag die „Zukunftsinitiative Siegen-Wittgenstein 2020“ mit den beiden Programmen „Familie ist Zukunft“ und „Leben und Wohnen im Alter“ beschlossen.

Unterstützung muss an den Bedarfen ansetzen

Um detaillierte Informationen über die Situation und die Unterstützungsbedarfe von Familien in Siegen-Wittgenstein zu erhalten, hat der Kreis zunächst einen Familienbericht erstellen lassen. Er wird ergänzt durch Kurzberichte auf der Gemeindeebene, mit deren Hilfe sich noch genauere Aussagen über die Bedarfslagen der Familien treffen lassen. Die Ergebnisse dieser Familienberichte wurden in die familienpolitischen Diskurse vor Ort einbezogen und stellten die Ausgangslage für eine Vielzahl konkreter Projekte und Maßnahmen dar.

Patinnen und Patenprojekte bieten Entlastung im Familienalltag

Wo soziale Netzwerke nicht tragfähig oder belastbar sind und Familien Entlastung benötigen, können Ehrenamtliche die Familien ganz konkret im Alltag unterstützen. So auch in verschiedenen Patenprojekten im Kreis Siegen-Wittgenstein. Im Rahmen des Projektes „Zeitstifter“ erhalten beispielsweise Mütter mit Neugeborenen durch ehrenamtliche Helferinnen Unterstützung im Alltag, sei es durch die Betreuung des Kindes oder durch Hilfe im Haushalt. Die „Wittgensteiner Familienpaten“ greifen allen Familien unter die Arme, wenn Bedarf besteht. Als Fazit hielt Gerold Wagner fest: „Auch wenn wir schon viel erreicht haben, sind wir auf der Erfolgsleiter noch nicht ganz oben angekommen, sondern befinden uns erst auf der zweiten oder dritten Stufe“.


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