Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Sozialraumgespräche

Sozialraumgespräche am Beispiel der Stadt Oberhausen

von Beatrix Schwarze

Wie Sozialraumgespräche konkret initiiert, geplant und durchgeführt werden können, wird am Beispiel der Stadt Oberhausen deutlich.
Sozialraumgespräche haben in Oberhausen nach einer Erprobungsphase (1998 – 2001) seit 2005 bisher drei Mal in jedem Sozialraum stattgefunden. Die einmal jährlich stattfindenden Sozialraumgespräche sind moderierte und protokollierte Arbeitssitzungen von 2-3 Stunden Dauer, an denen etwa 20 im Sozialraum arbeitende Akteure teilnehmen. Themenschwerpunkt war zunächst die Sozialraumanalyse als Methode und in den Folgejahren die Situation der Familie in den Sozialräumen.

Eine räumliche Gliederung gibt es in Oberhausen durch die Festlegung von sechs Sozialräumen und 27 Quartieren, die von der Projektgruppe “Monitoring Soziale Stadtentwicklung“ als einheitliche und verbindliche Stadtgebietsgliederung festgelegt wurden. Dabei bildeten Gemeinsamkeiten von Lebensbedingungen, Orientierungen und Zugehörigkeiten, natürliche Grenzen und die historisch gewachsene Struktur der Räume die Grundlage zur räumlichen Abgrenzung.

Der Sozialraum „Mitte/Styrum“ gliedert sich zum Beispiel in die drei Quartiere: Innenstadt, Marienviertel-West und Styrum. Er zeichnet sich durch einen überdurchschnittlichen Anteil nichtdeutscher Bevölkerung, einen unterdurchschnittlichen Anteil minderjähriger Bevölkerung, eine hohe Alleinerziehendenquote, einen sehr hohen Anteil an SGB II – Leis-
tungsempfängerinnen und -empfängern sowie eine sehr hohe Kinderarmut aus.

Seit 2007 wird ein Konzept entwickelt, das in den Sozialräumen Praxisnähe und Fachlichkeit gewährleistet. Es soll an gesellschaftliche Veränderungen anpassungsfähig bleiben. Zentrales Merkmal ist die Beteiligung der Akteure und Fachleute vor Ort.

 

Ziele

Für die Sozialraumgespräche 2007, die in allen sechs städtischen Sozialräumen nach den gleichen Gestaltungsprinzipien durchgeführt wurden, waren folgende Ziele wichtig:

  • Sozialräumliche Daten sollen für die Akteure im Sozialraum verstehbar und für die planerische Arbeit nutzbar sein und damit die Grundlage für konkrete Projekte darstellen.
  • Bei der Auswahl konkreter Projekte werden die Akteure einbezogen, um Bedarfe von Bürgerinnen und Bürgern im Blick zu haben und diese zu berücksichtigen
  • Bei allen Beteiligten besteht Kenntnis und Klarheit, mit welchen Zielsetzungen und Inhalten die gesamtstädtischen und sozialräumlichen Projekte umgesetzt werden.
  • Die Sozialraumgespräche stellen den Start zu einer gestärkten Kommunikation und Kooperation der Akteure und der Projektverantwortlichen vor Ort dar.

 

Der Weg

  • Jeder Sozialraum wird einzeln betrachtet, da die Teilräume der Stadt sich erheblich voneinander unterscheiden (z.B. im Hinblick auf Einkommenssituation, Zuwanderungsgeschichte, demografische Entwicklung).
  • Sozialräumliche Daten werden auf Ebene der 27 Quartiere vom Bereich Statistik und Wahlen zur Verfügung gestellt (Datenbasis 2005). Die Bereiche Bildung und Gesundheit können nur auf der Ebene der 24 statistischen Bezirke abgebildet werden, da es keine räumliche Übereinstimmung der Statistischen Bezirke und der Quartiere gibt.
  • Die Sozialraumgespräche werden mit Hilfe von Orientierungsgesprächen intensiv vorbereitet. Mit zentralen Akteuren in den einzelnen Sozialräumen werden Problemlagen im Sozialraum bereits im Vorhinein identifiziert.
  • Alle relevanten Akteure in den Sozialräumen werden durch die Jugendhilfe- und Sozialplanung eingeladen (schriftlich, mit Programm)
  • Die Sozialraumgespräche werden extern moderiert.

 

Das Programm/ der Ablauf der Sozialraumgespräche:

  • Die spezifischen Sozialraumdaten zu Bevölkerung, Familienstrukturen, Ökonomischer Situation, Sozialer Intervention, Bildung, Kindergesundheit und sozialer Stabilität (Sozialraumanalyse) werden vorgestellt.
  • Ergänzende Beschreibungen aus der subjektiven Sicht der Akteure über die Lage im Sozialraum (Sozialraumbeschreibung) folgen.
  • Sozialraumanalyse und Sozialraumbeschreibung werden zusammengeführt und vorrangig zu bearbeitende Problemfelder gewichtet.
  • Die Diskussion von Handlungsansätzen und geäußerten Projektideen sowie eine Prioritätensetzung schließen sich an.
  • Eine Qualifizierung ausgewählter Projekte durch die Entwicklung von Projektsteckbriefen erfolgt.
  • Vereinbarungen zur Zeit- und Aufgabenplanung der Projekte werden getroffen
  • Die Übernahme der Projektverantwortlichkeit wird vereinbart.

 

Ergebnisse der Sozialraumgespräche 2007

Ein relevantes Ergebnis der sechs Sozialraumgespräche ist die Initiierung von insgesamt 19 konkreten Projekten, die in den jeweiligen Sozialräumen umgesetzt werden.
Durch das Projekt „Sauberer, sicherer Sozialraum“ soll z.B. das subjektive Sicherheitsempfinden und die objektive Sicherheitslage sowie die Lebensqualität im Sozialraum verbessert werden. Projektmaßnahmen können dabei ein veränderter Reinigungsturnus an den Containerstandorten, eine Steigerung der Polizeipräsenz, eine verbesserte Beleuchtungssituation sowie Angebote für Jugendliche und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sein. Einbezogen werden sollen neben den Akteuren im Stadtteil die Stadtverwaltung, die Wirtschaftsbetriebe, die Polizei, der Präventive Rat, der Bürgerring und die Werbegemeinschaft.

Ziel eines weiteren Projektes „Aufsuchende Jugendarbeit am Südmarkt“ ist es, Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren an ihren Treffpunkten zu erreichen. Die Kinder sollen in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt werden, indem sie in die Entwicklung von Aktivitäten einbezogen werden. Genutzt werden im Sozialraum vorhandene Ressourcen (Sportpartnerinnen und -partner, Verbände, Projekte).

 

Zentrale Projektkoordination

Auf dieser Basis wurde auch die weitergehende Kommunikation und Kooperation zwischen den Akteuren, den Projektverantwortlichen und den Verwaltungsbereichen gestärkt. Um die Vernetzung und den fachlichen Austausch zwischen den Arbeitsgremien und den zentralen Organisationseinheiten der Verwaltung und der sozialen Leistungsanbieter sicherzustellen, wurde eine zentrale Projektkoordination unter Federführung der Jugendhilfe und Sozialplanung eingerichtet. Aufgaben der zentralen Projektkoordination ist es, die bestehenden Aktivitäten systematisch zu erfassen, die Vernetzung der Akteure zu fördern, die in den Sozialräumen entwickelten Projekte zu begleiten und bedarfsorientiert neue Projekte und Aktivitäten abzustimmen.

Die Weiterführung der Sozialraumgespräche sowie eine Begleitung der vereinbarten Projekte durch die zentrale Projektkoordination werden zur Konsolidierung der angelegten Strukturen beitragen.


Autorin:

Beatrix Schwarze
Mitarbeiterin des Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum.

Erstellungsdatum: 20.08.2008
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