Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis vor Ort

Beispiel guter Praxis:
Rhein-Sieg Kreis: Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche mit dem
kivi e.V.

Der gemeinnützige Verein kivi e.V. unterstützt im Rhein-Sieg-Kreis Kommunen sowie Bildungs- und Freizeiteinrichtungen bei der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen. Für Kindertagesstätten und Familienzentren vergibt er das eigene Zertifikat "KITA Vital" und begleitet zudem bei der Zertifizierung im Rahmen der Jugendaktion „GUT DRAUF“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

 

Bezeichnung des Projekts und Laufzeit

2008 riefen Landrat Frithjof Kühn, Sozialdezernent Hermann Allroggen und der Präsident des Kreissportbundes Rhein-Sieg Sebastian Schuster den Verein kivi e.V. ins Leben, um eine breite Basis und langfristige Perspektive für die präventive Gesundheitsarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Landkreis zu schaffen. Der Name kivi ist eine Kurzform für Kids Vital.

Der Verein spricht Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Kommunen und in Bildungs- und Freizeiteinrichtungen an, um Institutionen für das Thema "gesundheitsbewusste Kindheit" zu sensibilisieren und sie gegebenenfalls auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Einrichtung zu begleiten. Die Einrichtungen können sich zertifizieren lassen. Je nach gewähltem Programm wird das Zertifikat von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder vom kivi e.V. selbst vergeben. Der Verein unterstützt darüber hinaus Vernetzungsprozesse unter Akteurinnen und Akteuren vor Ort und wendet sich mit eigenen Gesundheitsaktionen an Kinder, Jugendliche und Familien. Der politisch und weltanschaulich unabhängige Verein ist gemeinnützig und als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt.

 

Ausgangssituation und Historie

„Dass junge Menschen ihre Gesundheit teilweise durch ungesunde Ernährung, Drogen, Alkohol, Spielsucht und zu wenig Bewegung schädigen, ist ein breit diskutiertes gesellschaftliches Thema", sagt Dezernent Hermann Allroggen, Vorsitzender des kivi e.V. Die Frage, was zu tun sei, um zu verhindern, dass Jugendliche in eine solche Situation geraten, liege nahe. Ziel müsse sein, es jungen Menschen frühzeitig zu ermöglichen, gesundheitsförderliche Verhaltensweisen zu übernehmen, zu verinnerlichen und in ihren Alltag zu integrieren.

Hermann Allroggen: „Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hatte mit der Zielsetzung Gesundheitswissen und -bewusstsein zu fördern, das Programm ‚GUT DRAUF – Bewegen, entspannen, essen - aber wie!’ für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren entwickelt. Wir wurden bereits 2003 die erste GUT-DRAUF-Modellregion.

Unsere Kommunen Bornheim und Eitorf erhielten als erste das Zertifikat als GUT-DRAUF-Kommunen. Mit der Gründung des kivi e.V. im Jahr 2008 verfolgten wir das Ziel, die gesundheitliche Präventionsarbeit auf andere Altersgruppen auszudehnen und das Engagement insgesamt – auch finanziell – auf nachhaltige Füße zu stellen.“ Der Verein finanziert sich heute zu einem Drittel aus Mitteln des Kreises, zu einem Drittel aus Projektgeldern und zu einem weiteren Drittel aus Spenden.

 

Ziele und Zielgruppen

kivi e.V. hat unter anderem die nachhaltige Förderung des gesundheitlichen Wohls von Kindern und Jugendlichen im Rhein-Sieg-Kreis sowie die Verbesserung ihrer Entwicklungs-, Bildungs- und Berufschancen zum Ziel. Die Maßnahmen nehmen nicht nur die Kinder und Jugendlichen selbst in den Blick, sondern beziehen vielfach auch deren Eltern mit ein.

„Die teilnehmenden Einrichtungen führen zum Beispiel regelmäßige Elternabende zu Fragen der Gesundheitsförderung durch. Außerdem erleben wir, dass sich Kinder gut mit Gesundheitsthemen ansprechen lassen und dann diese Kenntnisse zu Hause einbringen“, berichtet Hermann Allroggen. „Unser Eindruck ist, dass in vielen Familien Informationen über eine gesundheitsförderliche Lebensweise fehlen und diese Impulse daher wichtig sind.“ Der kivi e.V. verfolgt dabei den Ansatz, die positiven Effekte eines gesunden Lebensstils in den Vordergrund zu stellen und Menschen Wege dahin aufzuzeigen

 

Inhalte

kivi e.V. setzt im Wesentlichen vier Programme um, die sich an unterschiedliche Altersgruppen richten:

0 - 6 Jahre: "KITA Vital" in Kindergärten und Kindertagesstätten
6 - 11 Jahre: "Tutmirgut" in Grundschulen, Sportvereinen und Jugendeinrichtungen
12 - 18 Jahre: "GUT DRAUF" in weiterführenden Schulen, Sportvereinen, Jugendzentren
18 – 24 Jahre: "JOB Vital“ bei Bildungs- und Beschäftigungsträgern

Alle Programme orientieren sich am ganzheitlichen Ansatz der Gesundheitsförderung im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und verbinden die Themen Ernährung, Bewegung sowie Stressregulation. „Die Programme 'Tutmirgut' und 'JOB Vital' sind bei der BZgA in das Gesamtkonzept von 'GUT DRAUF' integriert. Alle Einrichtungen, die sich an den Programmen beteiligen, haben die Möglichkeit sich als 'GUT DRAUF'-Einrichtung zertifizieren zu lassen. Die Zertifikate vergibt die BZgA“, berichtet Hermann Allroggen. Das Programm "KITA Vital" entwickelte der kivi e.V. in Eigenregie und führte 2011 das Zertifikat „KITA Vital“ als Qualitätszeichen für gesundheitsfördernde Kindertagesstätten im Rhein-Sieg-Kreis ein.

 

Aktivitäten

kivi e.V. ist zentraler Ansprechpartner für die Gesundheitsförderung von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern im Rhein-Sieg-Kreis. „Wir gehen auf Kommunen und Institutionen zu, informieren sie über das Thema sowie über die unterschiedlichen Programme und rufen zum Mitmachen auf“, berichtet Hermann Allroggen. „Veranstaltungen mit Fachreferentinnen und -referenten machen deutlich, wie wichtig Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist.“

Der kivi e.V. verfügt über vier fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichem professionellen Hintergrund, die die Einrichtungen vor Ort beraten und sie, wo gewünscht, bei der Entwicklung zu einer gesundheitsfördernden Institution begleiten. „Eine solche Entwicklung setzt an der spezifischen Lage vor Ort an und dauert in der Regel mindestens ein Jahr. Unsere Kräfte unterstützen den Prozess“, erläutert Herrmann Allroggen. Erfüllt die Einrichtung danach die nötigen Standards, kann sie sich für eine Zertifizierung durch die BZgA bzw. im Falle von Kitas oder Familienzentren durch den kivi e.V. anmelden. „Alle Zertifikate werden jeweils für drei Jahre vergeben. Anschließend kann sich die Institution mit einer erneuten Prüfung nachzertifizieren lassen“, sagt der Vereinsvorsitzende.

 

Beispiel: Qualitätsstandards für die "KITA Vital"-Zertifizierung

Die Qualitätsstandards, die eine Kindertagesstätte oder ein Familienzentrum für die "KITA Vital"-Zertifizierung erfüllen muss, verteilen sich auf die beiden Dimensionen „Einrichtungsqualität“ und „Programmqualität“.
Zur „Einrichtungsqualität“ gehören die Punkte „Qualifikation“, „Konzept und Arbeitsplanung“, „Qualitätssicherung“ sowie „Räumliche und sächliche Ausstattung“.

Unter „Programmqualität“ fallen Standards in den Bereichen „Gesunder Tagesablauf/Wochenablauf“, „Gesunde Aktionen und Projekte“, „Gesunde Mittagsverpflegung“ sowie „Zusammenarbeit mit den Eltern zur Gesundheitsförderung“. 56 festgelegte und sieben einrichtungseigene Kriterien beschreiben und konkretisieren die Standards.

 

Gesundheitsfördernde Kommunen

Die Nachhaltigkeit gesundheitsfördernder Maßnahmen wird gesteigert, wenn dabei möglichst viele kommunale Akteurinnen und Akteure aus der Verwaltung, aus Freizeit- und Bildungseinrichtungen sowie aus der Gesundheitsversorgung in einer Lenkungsgruppe zusammen arbeiten. „Durch gemeinsame Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Koordinierung von Veranstaltungen der einzelnen Anbieterinnen oder Anbieter gelingt es leichter, das Thema in der Gemeinde zu multiplizieren und so ein positives Klima dafür zu schaffen“, erläutert Hermann Allroggen. Die gemeinsame Arbeit an diesem Thema sowie der Erfahrungsaustausch unterstütze die Institutionen dabei, am Ball zu bleiben und sich rezertifizieren zu lassen. „Daher sind die Treffen in der Lenkungsgruppe, die mindestens zweimal im Jahr stattfinden sollten, für die Nachhaltigkeit so wichtig“, berichtet der kivi-Vorsitzende.

Die Kommune habe in diesem Zusammenhang die Aufgabe, koordinierend tätig zu sein. Das ist in den Städten und Gemeinden mit personellem Aufwand verbunden. In Zeiten enger Budgets sei das eine Hürde, die vielfach nicht leicht zu nehmen sei, berichtet Hermann Allroggen. Auch dass sich die Investition erst langfristig auszahle, erwiese sich vielerorts als Hemmschuh. Kommt eine lokale Vernetzung zu Stande, sollte die Zusammenarbeit, so raten die Fachleute des kivi e.V., durch eine Kooperationsvereinbarung geregelt werden, die festhält, welche Leistungen die Netzwerkpartnerinnen und -partner jeweils einbringen.

 

Evaluation

Im Rhein-Sieg-Kreis leben120.000 Personen unter 18 Jahren. 30.000 von ihnen nahmen bereits aktiv an Gesundheitsfördermaßnahmen der Institutionen vor Ort sowie des kivi e.V. teil. "Die Fachhochschule Köln untersucht unsere Grundschulaktionen bereits seit drei Jahren. Dazu wurden die Effekte in drei zertifizierten Einrichtungen zu drei Zeitpunkten gemessen und mit entsprechenden Untersuchungsergebnissen aus drei nicht teilnehmenden Grundschulen verglichen. Wir erwarten in Kürze Ergebnisse dieser Evaluation", berichtet Hermann Allroggen. Das durch das "KITA Vital"-Programm vermittelte Wissen evaluieren Teams der Fachhochschule Köln sowie der Hochschule Rhein-Sieg gemeinsam. Dafür entwickelten sie ein für diese Altersgruppe passendes Spiel und ermittelten Ergebnisse zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten.

 

Erfolgsfaktoren

Der Erfolg der Umsetzung in den Kommunen und in den Institutionen stehe und falle mit den handelnden Personen, berichtet Hermann Allroggen aus seiner Erfahrung. „Es muss jemanden geben, dem das Thema am Herzen liegt und der bzw. die es in der jeweiligen Institution vorantreibt.“ Wichtig seien darüber hinaus die Vernetzung im Sozialraum und das Engagement der Kommune. In der jeweiligen Gemeinde bekannte Entscheidungsträgerinnen oder -träger sollten als Patinnen und Paten des Projekts dessen Bedeutung hervorheben.

"Es ist wichtig, dass es auf kommunaler Ebene fachlich gut qualifizierte Personen gibt, die langfristig über ein Zeitbudget für dieses Thema verfügen", meint der kivi e.V.-Vorsitzende, denn es gelte, die Programme auf Dauer anzulegen. "Wir müssen diese Impulse für eine gesundheitsförderliche Lebensweise immer wieder neu setzen. Sonst kehren alte, ungünstige Verhaltensweisen schnell wieder zurück."

 

Ansprechpartner / Kontaktdaten

Dezernent Hermann Allroggen
Telefon: 02241 13-2191
Telefax: 02241 13-2436
E-Mail: sozialdezernat(at)rhein-sieg-kreis.de

kivi e.V. (kivi-kids vital e.V.)
Kaiser-Wilhelm-Platz 1
53721 Siegburg
Telefon: 02241 14 85 306
Telefax: 02241 13 24 36
E-Mail: info(at)kivi-ev.de
Internet: www.kivi-ev.de

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