Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis vor Ort

Beispiel guter Praxis:
Monheim für Kinder

Kinder und Betreuerinnen mit gelben Kappen auf dem Kopf bei einem Tanzspiel
"Mo.Ki – Monheim für Kinder" wurde im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts des Bezirksverbands Niederrhein der Arbeiterwohlfahrt und der Stadt Monheim am Rhein entwickelt.
Mo.Ki ist ein mehrfach ausgezeichneter kommunaler Präventionsansatz, der einen systematischen Umbau der Kinder- und Jugendhilfe vor Ort – weg von der Reaktion auf Defizite hin zur Prävention als aktive Steuerung und Gestaltung – zum Ergebnis hat. Er stellt das Kind und seine Entwicklung in den Mittelpunkt aller Bemühungen.

 

Bezeichnung

Mo.Ki – Monheim für Kinder
Konsequent präventive Kinder – und Jugendhilfe durch die Bildungsoffensive 2020 zur Förderung von Kindern und Familien.
Ganzheitlicher kommunaler Ansatz für mehr Entwicklungs- und Bildungschancengleichheit.

 

Laufzeit

Seit 2003 als Gemeinschaftsprojekt, seit 2005 fester Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe

 

Träger

Stadt Monheim am Rhein
Kreis Mettmann  
Mo.Ki entstand 2002 durch ein Gemeinschaftsprojekt der AWO Bezirksverband Niederrhein und der Stadt Monheim am Rhein

 

Ansprechpartnerin

Inge Nowak
Stadt Monheim am Rhein
Jugendamt Bereich 51
Grünauerstr. 10
40789 Monheim am Rhein

Tel.: 02173 687514
E-Mail: inowak(at)monheim.de

 

Anlass / Hintergrund bei Beginn

„Überwindung und Vermeidung von Armutsfolgen bei Kindern und Familien“
Ausgangspunkt bildete ein Monheimer Stadtteil, der auch im Programm „Soziale Stadt“ als Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf seit 1995 gefördert wurde.
Im Berliner Viertel leben ein Drittel der Monheimer Einwohnerinnen und Einwohner. Viele von ihnen sind überdurchschnittlich von Armut betroffen. 60 Prozent der Bezieher von Hilfe zum Lebensunterhalt leben in diesem Quartier; jedes vierte Kind ist hier auf die öffentliche Förderung angewiesen. Zum damaligen Zeitpunkt stieg die Zahl der Heimunterbringungen von Kindern und Jugendlichen durch das Jugendamt kontinuierlich an. Weiterhin wurde im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung im Berliner Viertel von Seiten des Gesundheitsamtes des Kreises Mettmann festgestellt, dass 82 Prozent der untersuchten Kinder Auffälligkeiten im Bereich der physischen oder psychischen Gesundheit zeigten. An diesen Daten wurde der dringende Handlungsbedarf für die Kinder- und Jugendhilfe in Monheim deutlich.

Anknüpfend an die Ergebnisse der ersten AWO- ISS- Studie zu Kinderarmut (Hock u.a. 2000) entwickelten der Bezirksverband Niederrhein der Arbeiterwohlfahrt und die Stadt Monheim am Rhein das Modellprojekt „Mo.Ki – Monheim für Kinder“. Ziel des Kooperationsprojektes war es, ein kommunales Gesamtkonzept zur Vermeidung der negativen Auswirkungen familiärer Armut auf die Lebenslage und die Entwicklungschancen von Kindern zu erstellen, ein Trägernetzwerk auf zubauen und die Kindertagesstätten als Kontenpunkt einer frühen Prävention für die ganze Familie aus zubauen.

 

Ziele

Mo.Ki ist ein kommunaler Präventionsansatz, der einen systematischen Umbau der Kinder- und Jugendhilfe vor Ort, weg von der Reaktion auf Defizite hin zur Prävention als aktive Steuerung und Gestaltung zum Ergebnis hat. Er stellt das Kind und seine Entwicklung in den Mittelpunkt aller Bemühungen.

Die Ziele im Einzelnen:
  • Aufbau einer Präventionskette von der Geburt bis zur Berufsausbildung
  • Ausgehend von der Zielsetzung, Beratung, Begleitung, Bildung und Förderung frühst möglich für Kinder und Eltern anzubieten sowie die nachweislichen Folgen von familiärer Armut bei Kindern zu reduzieren, wird ein umfangreiches Angebot mit Hilfe eines Trägernetzwerkes vorgehalten
  • Eltern werden in ihrer Erziehungsaufgabe unterstützt
  • Kinder werden in enger Abstimmung mit den Eltern, den Gesundheitsbehörden und Bildungsinstitutionen in ihrer Sprachkompetenz, Gesundheit und sozialen Kompetenz gefördert
  • die Erzieherinnen erweitern ihre Qualifikation zur Wahrnehmung der sehr differenzierten Aufgabenstellung
  • Leistungen der Jugendhilfe (Erziehungsberatung, Familienbildung, ASD) und der Gesundheitsdienste werden verbindlich eingebunden und stellen ihre Angebote frühest möglich in allen Lebenslagen bereit
  • der Übergang zur Grundschule wird gemeinsam von Erzieherinnen und Erziehern und Lehrerinnen und Lehrern vorbereitet
  • die Bedürfnisse der Menschen im Stadtteil werden wohnortnah aufgenommen
  • Integration von Familien mit Zuwanderungshintergrund
  • Aufbau eines Frühwarnsystems
  • Teilhabe am kulturellen Leben

 

Zielgruppe

  • Kinder mit und ohne Zuwanderungshintergrund
  • Familien / Eltern / Alleinerziehende
  • Fachkräfte

 

Inhalte

Mo.Ki – Monheim für Kinder bildet eine niederschwellige und trägerübergreifende Arbeitsgemeinschaft der Familienbildung, Elternbegleitung, frühen Förderung und Bildung von Kindern in den fünf Kindertagsstätten des Berliner Viertels. Die fünf Kindertagsstätten im stellen den wesentlichen Baustein eines Netzwerkes zur Frühprävention der Jugendhilfe dar. Eine Koordinatorin sichert die trägerübergreifende Weiterentwicklung der beteiligten Einrichtungen und deren familiennahe Ausrichtung.

 

Bausteine von Mo.Ki

Qualifizierung und Vernetzung
Teilnehmerinnen am interkulturellen Frauentreff, Monheim
Komplexe kind-, eltern-, familien- und umweltbezogene Betrachtung der kindlichen Lebenswelten und Vernetzung aller kinder- und jugendrelevanten Akteure. Nachhaltigkeit durch den Ausbau der trägerübergreifenden Qualifizierung.
  • Projekt: Interkultureller Frauentreff
    Der Interkulturelle Fraueninfotreff ist ein niederschwelliges Angebot für Frauen, Schwangere und junge Mütter aller Kulturen. Insbesondere für muslimische Frauen ist der Interkulturelle Fraueninfotreff ein idealer Treffpunkt. Regelmäßige Öffnungszeiten und kostenfreie Hebammensprechstunden gehören zum Angebot. Etwa einmal im Monat stellen sich Monheimer Einrichtungen vor, informieren über Hilfeangebote und beraten direkt vor Ort. Es wurde ein beachtliches informelles Netzwerk der Bewohnerinnen im Berliner Viertel geschaffen.

Mo.Ki für Kinder: Frühe Förderung bedeutet Prävention
Sicherung, Förderung und Stärkung des Kindes in seiner gesamten Lebenssituation, dazu gehört die Sprachförderung und Gesundheitsförderung: Gesundheitsvorsorge, Bewegungsangebote und Unterstützung bei der gesunden Ernährung.
  • Projekt: Unter drei dabei
    Ziel des Projektes ist es, die Erziehungskompetenzen der Eltern zu verbessern und die Kindertagesstätten als Knotenpunkte der Prävention zu ergänzen. Für junge Eltern wird ein System der Unterstützung entwickelt. Bestandteile sind u.a. Hebammensprechstunden im interkulturellen Fraueninfotreff, Hausbesuche durch Familienhebammen, Babymassage und Mutter-Kind-Gruppen (auch zweisprachig).
Mo.Ki mit und für Eltern: Beratungs- und Bildungsmöglichkeiten
Entlastung der Eltern und Stärkung der elterlichen Kompetenz, sowie Stabilisierung der Familiensituation und Förderung eines positiven Familienklimas
  • Projekt: FAM-Tische – Frauen im Gespräch
    Ziele des Projektes sind u.a. Erfahrungs- und Meinungsaustausch, Informationsvermittlung sowie die Stärkung der Elternkompetenz. Gastgeberinnen laden aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis Gäste ein, die sich über ein Thema (z.B. Erziehung) unterhalten möchten. Diese Gespräche werden vorbereitet und moderiert durch eine Moderatorin. Die FamTische-Moderatorinnen arbeiten ehrenamtlich gegen Aufwandsentschädigung und können in türkischer und deutscher Sprache moderieren. Die Moderatorinnen werden auf ihre Arbeit vorbereitet, sie sind Multiplikatorinnen und stellen das Bindeglied zu professionellen Einrichtungen dar.
Mo.Ki für den Sozialraum
Teilnehmerinnen von MultiMo – Sprach- und Kulturmittlerinnen.
Förderung der sozialen Integration und Partizipation, insbesondere von Familien mit Zuwanderungshintergrund Bereitstellung der öffentlichen Güter und Dienstleistungen für Kinder und Eltern
  • Projekt: MultiMo – Sprach- und Kulturmittlerinnen. Ein Angebot zur besseren Verständigung.
    Ziel ist der Aufbau eines Teams geschulter Laiendolmetscherinnen, die zugleich Multiplikatorinnen für eine bessere interkulturelle Verständigung sind. Sie werden geschult und begleitet und können bei Bedarf für Einzelpersonen bzw. für Institutionen wie Jugendamt, ARGE, Beratungsstellen, Schulen oder Kindertagesstätten eingesetzt werden. Die Koordination liegt bei der Jugendhilfeplanerin.

 

Beteiligte

Alle kinder- und jugendrelevanten Akteure wie zum Beispiel:
Jugendamt, Suchtberatung, Kindertagesstätten, Schulen, Beratungsstellen, Frauenärzte, Hebamme, Kinderkrankenschwester, Kreisgesundheitsamt, VHS, Kunst-und Musikschule
Ehrenamtlich: Seniorinnen und Senioren, Unternehmerinnen und Unternehmer, engagierte Eltern, Frauen aus Monheim

 

Einbindung / Vernetzung

Lokale Bündnisse
Seit Sommer 2005 wird Mo.Ki II „Frühes Fördern in der Grundschule“ in der Grundschule am Lerchenweg und an der Hermann-Gmeiner-Grundschule durchgeführt.

 

Auszeichnungen

Mo.Ki erhielt Anerkennung von Außen:
2004 erster Deutscher Präventionspreis der Bertelsmann Stiftung, des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
2005 1. Preis im Wettbewerb „Alle Talente fördern“ von McKinsey
2004 Beispielhaftes Projekt in der OECD Studie
2006 Best Practice Familienzentrum NRW
2006 2. Preis Frauen in Beruf und Technik „Innovative Betreuungsmodelle“
2007 Gütesiegel Familienzentrum NRW

Veranstaltungskalender
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