Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis vor Ort

Beispiel guter Praxis:
Hamm: Elternschule Hamm e.V.

Die Elternschule Hamm e.V. ist eine gemeinsame Initiative der freien und öffentlichen Träger der Jugendhilfe in Hamm zur Stärkung der präventiven Eltern- und Familienbildung. Sie koordiniert und bündelt eine trägerübergreifende (Bildungs-)Zusammenarbeit, die sozialraumorientiert an den Lebenswelten der Familien ansetzt.

 

Ausgangssituation und Anlass

In Hamm existiert bereits seit längerem ein Bewusstsein dafür, dass man die präventiven Angebote der Eltern- und Familienbildung stärken und ausbauen sollte. Ein besonders wichtiger Impuls kam dabei aus der Armutsberichterstattung: Der 2000 fertiggestellte Armutsbericht verdeutlichte die ungleich verteilten Zukunftsperspektiven von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer Herkunft. „Durch die gezielte Unterstützung von Eltern in benachteiligten Lebenslagen wollte man Perspektiven schaffen und den Teufelskreis der Armut durchbrechen“, berichtet Eileen Jakob, Geschäftsführerin der Elternschule Hamm e.V.

Auch die zeitgleich erschienenen Ergebnisse der PISA-Studie belegten die zentrale Bedeutung der Eltern für den Erfolg und die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen. „Die Studie hat gezeigt, dass der Einfluss der Familie auf den Bildungserfolg fast doppelt so stark ist, wie der von Schule, Lehrkräften und Unterricht. Eine wirksame Kinder- und Jugendarbeit muss daher immer auch bei den Eltern ansetzen“, so Eileen Jakob. Die Notwendigkeit, hier aktiver zu werden, zeigte sich auch in den jährlich steigenden Fallzahlen der Jugendhilfe; die zunehmenden Ausgaben für Hilfen zur Erziehung sollten durch präventive Investitionen eingedämmt werden.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und Erkenntnisse wurde, ausgehend vom Armutsbericht, noch im selben Jahr ein Handlungskonzept beschlossen, dessen Kern der Ausbau und die strategische Ausrichtung der Familienbildung darstellte. Um Eltern flächendeckend und präventiv orientiert in Erziehungsfragen zu stärken, wurde die Elternschule gegründet – zunächst als Projekt, angesiedelt im Fachbereich Jugend, Gesundheit und Soziales.

 

Ziele und Zielgruppe

Die Elternschule verfolgt das Ziel, mit ihren Angeboten alle Eltern in Hamm zu erreichen. Sozialraumbezogene Angebote sollen möglichst alle Familienphasen abdecken. Insbesondere werden Familien angesprochen und berücksichtigt, die ansonsten durch Bildungsangebote oftmals nicht erreicht werden. Dazu zählen insbesondere junge Eltern, die über kein soziales Netzwerk verfügen, Migrantinnen und Migranten sowie alleinerziehende Mütter und Väter.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Familien mit passenden Angeboten und einer gezielten Ansprache durch Kontaktpersonen vor Ort durchaus für Familienbildungsangebote aufgeschlossen sind“ führt Eileen Jakob aus.

 

Grundsätze der Arbeit

Die Elternschule Hamm erweitert bewusst das traditionelle Selbstverständnis der Eltern- und Familienbildung. Nach dem Verständnis der Elternschule Hamm findet Elternbildung in allen Kontexten und bei allen Gelegenheiten statt, in denen Eltern ihr Wissen über Erziehung erweitern können, sich in ihrem Erziehungsverhalten erleben können und Anregungen zum Austausch erhalten. Die sozialräumliche Ausrichtung der Elternschule wird durch die Kooperation mit unterschiedlichen pädagogischen Einrichtungen in den Stadtteilen gesichert. Diese haben durch ihre Arbeit vor Ort bereits einen Zugang zu den Eltern und setzen die Maßnahmen und Projekte der Elternschule in Eigenverantwortung um. Dafür wurde gleich zu Beginn der Zusammenarbeit ein gemeinsames Verständnis für die inhaltliche Basis der Arbeit geschaffen.

„Die Vielfalt der unterschiedlichen fachlichen Auffassungen sowie die unterschiedlichen Prioritätensetzungen unter einen Hut zu bringen war manchmal nicht ganz einfach, aber es war ein wichtiger Schritt. Eltern sind sowieso oft genug in ihrem Erziehungsverhalten verunsichert, da sind die sich häufig widersprechenden Erziehungsratgeber und pädagogischen Konzepte keine Hilfe“ so Eileen Jakob.

Im „Hammer Erziehungskonsens“ wird dieses Problem nun auf lokaler Ebene gelöst: die Kooperationspartner der Elternschule verpflichten sich den im „Erziehungskonsens“ festgelegten pädagogischen Ansätzen und arbeiten nun auf derselben Grundlage.

 

Verstetigungsprozess

Zeitgleich mit der Entstehung des „Hammer Erziehungskonsens“ wurde auch die weitere Konzeption der Elternschule fertig gestellt. Zur Umsetzung des Konzeptes wurden Multiplikatoren in Veranstaltungen über das Konzept informiert und für eine Kooperation gewonnen. Dabei wird eine Kooperationsvereinbarung mit gegenseitigen Rechten und Pflichten zwischen der Einrichtung und der Projektgruppe geschlossen. Die gute Resonanz bei den Einrichtungen führte zu einer beständigen Weiterentwicklung und einem Ausbau der Angebote der Elternschule, so dass das Projekt in eine dauerhafte Struktur überführt werden konnte. Seit 2008 arbeitet die Elternschule Hamm als eingetragener Verein auf Grundlage der in der Satzung und in den Kooperationsvereinbarungen mit den Elternschulen vor Ort festgeschriebenen Strukturen.

 

Akteure der Elternschule

Mittlerweile kooperieren 154 Einrichtungen mit der Elternschule Hamm. Darunter sind viele Kindertageseinrichtungen und Schulen aber auch Beratungsstellen und Kliniken. Die angeschlossenen Einrichtungen arbeiten lokal zusammen – die Intensität dieser Zusammenarbeit variiert dabei deutlich. In einigen Sozialräumen haben sich stark miteinander verzahnte Netzwerke gebildet, die gemeinsame Veranstaltungen unter dem Label „Elternschule Hamm“ durchführen. In anderen Stadtteilen treffen sich die Akteure zweimal jährlich, um ihre Angebote aufeinander abzustimmen und die von ihnen wahrgenommenen Bedarfe im Stadtteil zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Für Eileen Jakob eine erfolgsversprechende Strategie: „Die entstandenen Netzwerke vor Ort verwirklichen ein aufeinander abgestimmtes Bildungsangebot für die Familien im Stadtteil und bemühen sich, die Bedarfe aufzugreifen und entsprechende Angebote vorzuhalten.“

Abbildung 1: Kooperationspartner der Elternschule Hamm e.V.

 

Struktur der Elternschule

Als zentrale Anlaufstelle für die aktiven Einrichtungen dient eine Geschäftsstelle, die koordinierende, unterstützende und evaluierende Aufgaben wahrnimmt. Diese ist dem Kinderbüro der Stadt Hamm zugeordnet. Die inhaltliche Verantwortung für die Arbeit obliegt dem Vorstand, der durch die Geschäftsstelle unterstützt wird. Um auch die Familien in die Entwicklung einzubinden, wurde bereits 2004 zusätzlich ein Elternbeirat initiiert, der sich aus interessierten Eltern der Elternschulen rekrutiert. Die Elternschulen vor Ort arbeiten weiterhin eigenverantwortlich auf Basis der Kooperationsvereinbarung – die jeweils auf ein Jahr befristet ist und dann fortgeschrieben werden kann – mit der Elternschule e.V. zusammen. Die Entscheidung über die Vergabe von finanziellen Mitteln wird durch ein Bewilligungsgremium, bestehend aus Vertretern des Jugendamtes und des Kinder- und Jugendhilfeausschusses sowie dem Vorstand der Elternschule Hamm e.V., getroffen. Gefördert werden (bis zu 100%) Elternkurse sowie alle Arten von Elternbildungsveranstaltungen und Weiterbildungen für Fachleute. Im Einzelfall können auch weitere Maßnahmen und Angebote gefördert werden.

 

Angebote und Kurse

Im Verlauf des Prozesses wurden die Elternbildungsangebote immer weiter ausgebaut, um sowohl Angebote für alle Familienphasen als auch besondere Angebote für spezielle Zielgruppen vorzuhalten. Wenn möglich, wurden dabei geeignete bestehende Programme nach Hamm geholt, es wurden aber auch eigene Konzepte entwickelt. Über die Schulung von Multiplikatoren konnten die Konzepte dann in den Einrichtungen vor Ort angeboten werden.

„Zunächst ging es uns darum, Lücken im Bildungsangebot zu identifizieren und zu schließen“, erklärt Eileen Jakob. „Mit der Zeit wollten wir Eltern aber nicht mehr nur in ihrem Erziehungsverhalten unterstützen, sondern sie auch als Akteure für die Bildung ihrer Kinder begreifen und qualifizieren.“ Dazu wurden unterschiedliche Ansätze, wie beispielsweise ein Elterntraining „Häusliches Lernen“ oder das Programm „ELIF“ (Eltern lernen integriert fördern) entwickelt. Weitere niederschwellige Angebote, wie etwa die „Aufsuchende Elternhilfe“, die durch geschulte Ehrenamtliche angeboten wird, sowie Elterncafes in sozialen Brennpunkten, ergänzen das Leistungsspektrum der Elternschule Hamm.

 

Ansprechperson

Eileen Jakob
Kinderbüro Hamm
Caldenhofer Weg 159
59063 Hamm

Tel.: 02381 17 6203
E-Mail: eileen.jakob(at)stadt.hamm.de


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