Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Finanzielle Unterstützung für Familien

Stiftungen und Fonds: Unterstützung für Familien vor Ort

von Beatrix Schwarze und Angelika Engelbert

Stiftungen und Fonds bieten eine Möglichkeit, die Situation von Familien durch direkte finanzielle Unterstützung oder durch die Förderung familienpolitisch relevanter Projekte zu verbessern. Unabhängig von öffentlichen Geldern der Kommunen können auf diese Weise Projekte gefördert oder finanzielle Hilfen für Familien zur Verfügung gestellt werden.
Gemeinsam mehr zu erreichen, ist das Ziel von Privatpersonen, Kommunen, ortsansässigen Unternehmen und Vereinen. Sie alle wollen durch finanzielles Engagement Familien stärken und das Gemeinwohl fördern und zwar dort, wo sie leben und arbeiten. Zu diesem Zweck werden immer häufiger Stiftungen und/oder Fonds gegründet, die lokale oder regionale Bezüge haben.

 

Was kennzeichnet Stiftungen und Fonds?

Stifterin oder Stifter kann jede natürliche Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat. Auch jede juristische Person, wie beispielsweise ein rechtsfähiger Verein, kann sich als Stifter betätigen.

Eine Stiftung verfolgt mit der Vergabe von Geldmitteln festgelegte Zwecke. Grundlage ist dabei ein Vermögen, das in der Regel auf Dauer erhalten wird. Vergeben werden nur die Erträge des Stiftungsvermögens. Unterschieden werden selbständige Stiftungen bürgerlichen Rechts, zu denen auch Bürgerstiftungen gehören, sowie unselbständige Stiftungen bürgerlichen Rechts.

Selbständige Stiftungen, von denen zurzeit über 95% die Kriterien der Gemeinnützigkeit erfüllen, sind auf Dauer geschaffene rechtsfähige Einrichtungen. Sie dürfen die jährlichen Erträge des grundsätzlich zu erhaltenden Stiftungsvermögens nur zu den Zwecken verwenden, die bei der Stiftungsgründung bestimmt worden sind. Sie bedürfen staatlicher Anerkennung und unterliegen der staatlichen Stiftungsaufsicht.

Zur Entstehung einer selbstständigen Stiftung bedarf es eines so genannten Stiftungsgeschäfts. Im Stiftungsgeschäft erklärt der Stifter seine Absicht, eine Stiftung zu gründen. Gleichzeitig verpflichtet er sich, ein im Stiftungsgeschäft genau bestimmtes Vermögen auf die noch zu entstehende Stiftung zu übertragen. In der Satzung entwirft der Stifter dann das rechtliche Gerüst für seine Stiftung. Hier legt er insbesondere fest, welchen Zweck die Stiftung verfolgen soll und welche Organe für die Stiftung handeln sollen.

Die unselbstständigen Stiftungen haben keine eigene Rechtspersönlichkeit und unterliegen weder staatlicher Anerkennung noch der staatlichen Stiftungsaufsicht. Unselbstständige Stiftungen sind Vermögenswerte, die von den Stifterinnen und Stiftern einer natürlichen oder juristischen Person treuhänderisch als Sondervermögen übertragen werden. Aus den Vermögenserträgen werden die (uneigennützigen und auf Dauer angelegten) Stiftungszwecke erfüllt.

Solche „Treuhandstiftungen“ können bereits mit einem geringen Betrag gegründet werden (ca. 10.000 Euro). Bei ihnen können die Organisationsstrukturen des Treuhänders genutzt und damit Verwaltungskosten reduziert werden. Auch die steuerrechtlichen Privilegien für Stiftungen greifen. Allerdings besitzen Treuhandstiftungen keine Rechtspersönlichkeit, können also nicht selbst Trägerin von Rechten und Pflichten sein. Das Stiftungsvermögen ist Eigentum des Trägers, so dass eine gewisse Abhängigkeit vom Treuhänder besteht. Für operativ tätige Stiftungen ist die Struktur der Treuhandstiftung ungeeignet, da sie mangels Rechtsfähigkeit beispielsweise nicht selbst Personal einstellen oder als Veranstalter tätig werden kann.

Bei einem Fonds werden Spenden auf ein für diesen Zweck eingerichtetes Konto mit dem Ziel eingezahlt, dieses Geld anschließend für die vorher festgelegten Bereiche zu verwenden. Es kann so viel Geld vergeben werden, wie nach Abzug entstehender Kosten tatsächlich zur Verfügung steht. Für einen Fonds gibt es, anders als bei der Stiftung, keine klaren gesetzlichen Bestimmungen. Der Fonds stellt eine Art Sondervermögen dar, das durch eine Behörde oder Institution (z.B. einen Verein) treuhänderisch verwaltet wird, bis die Mittel zweckentsprechend verbraucht sind.

 

Bürgerstiftungen für Familien

Leitidee einer Bürgerstiftung ist, dass mehrere Bürgerinnen und Bürger einer Kommune oder einer begrenzten Region finanzielle Mittel in kleinerem oder mittlerem Umfang gemeinsam in eine Stiftung einbringen. Bürgerstiftungen sind als selbständige Stiftungen organisiert. Die beteiligten Bürgerinnen und Bürger bestimmen die Stiftungszwecke und die Zwecke oder Einrichtungen, für die Fördermittel vergeben werden, gemeinsam. Weitere „Zustiftungen“ (die das Stiftungsvermögen erhöhen) und Spenden (die vergeben werden können) werden gezielt angeworben. Viele Bürgerstiftungen fördern nicht nur Vorhaben anderer Organisationen oder Gruppen, sondern wollen auch selbst mit modellhaften Ideen und Projekten Vorbild sein. Eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit von Bürgerstiftungen ist insofern das eigene Engagement der Bürgerinnen und Bürgern – auch in den Stiftungen selbst. Sie sind daher von der Mitwirkung möglichst vieler und unterschiedlicher Bürger und gesellschaftlicher Gruppen geprägt.

Selbständige Bürgerstiftungen sind von der Kommune oder anderen Organisationen weitestgehend unabhängig. Sie sind (im Unterschied zur Bürgerinitiative) eine formal institutionalisierte, rechtlich anerkannte Körperschaft wie andere Stiftungen auch. Ebenso wie diese verfügen sie über ein unantastbares Stiftungsvermögen und setzen die Zinserträge für gemeinnützige Zwecke ein. Die folgende Grafik verdeutlicht die besonderen Strukturmerkmale einer Bürgerstiftung:

 


Quelle: http://www.aktive-buergerschaft.de/buergerstiftungen/mitstiften

Auch das Engagement für Familien spielt in vielen Bürgerstiftungen eine wichtige Rolle. Es gibt lokale oder regionale Bürgerstiftungen, die Hilfen für Familien direkt oder indirekt beziehungsweise unter anderen als Stiftungszweck benannt haben.

Die Bürgerstiftung „Unsere Kinder - Unsere Zukunft“ Bornheim hat ihre (auch) für Familien wichtige Zweckbestimmung in ihrer Präambel folgendermaßen zum Ausdruck gebracht: „Die Bürgerstiftung ‘Unsere Kinder - Unsere Zukunft‘ will dem Gemeinwohl dienen, das Gemeinwesen der Region stärken und Kräfte der Innovation mobilisieren. Sie will erreichen, dass die Bürger und Wirtschaftsunternehmen der Region mehr Mitverantwortung für die Gestaltung ihres Gemeinwesens übernehmen. Dies soll zum einen durch das Einwerben von Zustiftungen und Spenden geschehen, welche die Bürgerstiftung in die Lage versetzen, regionale Projekte aus den Bereichen Jugend und Soziales zu fördern. Zum anderen sollen die Bürger dazu motiviert werden, sich ehrenamtlich in der Bürgerstiftung und den von ihr unterstützten Projekten zu engagieren. Dabei will sie Vorhaben initiieren und fördern, die nicht zu den regulären Aufgaben der Stadtverwaltung gehören.“

Oft wollen Förderer eine bestehende Bürgerstiftung unterstützen, dabei aber eigene Akzente setzen. Hier bieten sich folgende Möglichkeiten an: Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten: Bei einem Stiftungsfonds unter dem Dach einer Bürgerstiftung kann der Stiftende selber festlegen, wofür die Erträge des gespendeten Stiftungsfonds verwendet werden sollen. Ergänzend kann dem Fonds ein eigener Name geben werden. Ein Stiftungsfonds ist daher an sich eine einfache Zustiftung zur Erhöhung des Stiftungsvermögens einer bestehenden Stiftung, allerdings mit einer Auflage gegenüber der Stiftung, nämlich dem Zweck (z.B. Familien), für den das zugestiftete Vermögen verwendet werden soll.

Eine weitere Möglichkeit stellt die (unselbständige) Treuhandstiftung dar. Sie bietet die Möglichkeit, mit geringem Zeit- und Verwaltungsaufwand eine Stiftung zu gründen und sie nach den eigenen Wünschen zum Beispiel von einer Bürgerstiftung verwalten zu lassen. Will man ein langfristiges Engagement für Familien ermöglichen und hat man interessierte vermögende Förderer, sprechen gute Gründe für eine eigene Bürgerstiftung mit dem Förderschwerpunkt „Familie“, zum Beispiel unter dem Dach einer bestehenden Bürgerstiftung. Beispiele hierfür sind die Bornheimer Bürgerstiftung „Unsere Kinder – unsere Zukunft“ und die Stiftung „Kinderhilfe Ense“:

Die Bornheimer Bürgerstiftung „Unsere Kinder – unsere Zukunft“ will, wie sie auf ihrer Homepage schreibt, "im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe verhindern, dass Kinder- und Jugendarbeit in Bornheim zum finanzpolitischen Spielball werden". Die Stiftung stellt dauerhaft finanzielle Mittel aus den Erträgen des Stiftungskapitals zur Verfügung, da das Stiftungskapital selber nicht aufgebraucht werden darf. Sie erreicht, dass die Bürgerinnen und Bürger selber bestimmen können (aber nicht müssen), was mit den Erträgen der Stiftung finanziert werden soll. Die Stiftung kann entsprechend dem Stiftungszweck Projekte und Maßnahmen zur Förderung von Bildung und Erziehung, der Völkerverständigung und Integration, der Jugendhilfe und der Jugendpflege in der Stadt Bornheim und Umgebung unterstützen. Zehn Prozent der Erträge des Stiftungskapitals, mindestens aber 1.000,- € sind pro Geschäftsjahr für die aufsuchende Jugendarbeit in der Stadt Bornheim zu verwenden.

Die gemeinnützige Stiftung „Kinderhilfe Ense“
will Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien, die in Ense eine Kindertageseinrichtung oder Schule besuchen, Unterstützung geben. Sie erhalten zum Beispiel Geld für ein warmes Mittagessen in Schule oder Kindertageseinrichtung, für Schulmaterialien, Hausaufgabenhilfe, Sportbekleidung oder für die Teilnahme am Klassenausflug, aber auch für den Vereinsbesuch, für „coole Kleidung“, für den Schwimmbadbesuch oder die Ferienfreizeit.

 

Fonds mit dem Schwerpunkt Familie

Die Initiative zur Gründung eines Familienfonds kann von der Kommune selbst, von ortsansässigen Vereinen, Unternehmen oder Verbänden sowie von Einzelpersonen ausgehen. Es gilt, Initiatoren zu finden, die den Aufbau des Fonds zu ihrer Sache machen und entsprechende Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen.

Im Vorfeld sollte genau beschrieben werden, welche Förderzwecke Unterstützung finden und wie Antragsverfahren gestaltet werden bzw. wie über Anträge entschieden wird. Entsprechende Entscheidungsstrukturen müssen geschaffen werden. Die Einrichtung eines Kontos, Überweisungsträger und eine öffentlichkeitswirksame Werbung für den Fonds sind erforderlich.

Wichtig ist die unparteiische und verantwortliche Verwaltung des Fonds. Hier bieten sich unterschiedliche Modelle an. Denkbar ist die Ansiedlung bzw. Verwaltung des Fonds in einem Kooperationsmodell der vor Ort im Feld „Familie“ aktiven Wohlfahrtsverbände, innerhalb der Kommunalverwaltung, wenn die Initiative von außen kommt oder durch einen eigens zu diesem Zweck von prominenten Bürgerinnen und Bürgern gegründeten Förderverein. Durch die Verwaltung des Fonds bei einem als gemeinnützig anerkannten Träger sind die Zuwendungen im Rahmen der Steuer- bzw. Einkommenssteuererklärung abzugsfähig.

Ein Kinder- und Familienfonds kann helfen, wenn staatliche Mittel für bestimmte Zwecke gar nicht, nicht ausreichend oder nicht schnell bzw. ausreichend flexibel zur Verfügung stehen. Je nach Satzung können unterschiedliche Zwecke verfolgt werden. Es können zum Beispiel Projekte unterstützt werden, die den Familien gemeinsame Ferien ermöglichen (Fonds für Familienerholung des Katholischen Ferienwerks Oberhausen). Der Kinder- und Familienfonds kann aber auch dann unterstützen, wenn kein Geld in der Familie für den Besuch der Musikschule oder eines Sportvereins vorhanden ist.

Viele Menschen, Vereine, Stiftungen und Unternehmen können einen Fonds mit einer Einzel- oder Dauerspende unterstützen. Auch Anlässe wie eine Verabschiedung, ein Jubiläum, eine Dauerspendenaktion von Mitarbeitenden eines Unternehmens oder einer Verwaltung sowie Einzelspenden zu Weihnachten bieten Gelegenheit, das Vermögen eines Fonds zu erhöhen. Ebenso können Unternehmen aus ihrem Gewinn spenden oder Vereine und Clubs können dem Fonds Zuwendungen zukommen lassen. Optimal ist es, wenn kein Geld aus dem Fonds für Verwaltungskosten verwendet werden muss. Eine transparente Berichterstattung über die Verwendung der Gelder ist zwingend erforderlich.

Benefizkonzerte, bei denen auf einen Teil der Gage verzichtet wird, Kunstauktionen oder ähnliche kulturelle Veranstaltungen machen den Fonds bekannter und bringen neue Geldgeber. Die Schirmherrschaft durch eine geschätzte und bekannte Person des öffentlichen Lebens unterstreicht die Seriosität und erhöht die Spendenbereitschaft.

Kurzfristig organisierbare bzw. zeitlich befristete Spendensammlungen oder Fondsbildungen sind auch auf neuen und ungewöhnlichen Wegen möglich. Eine moderne Form der Spendengewinnung bietet das Handy. Die Spenderin oder der Spender gibt hierbei ein Schlüsselwort in das Textfeld des Handys ein und sendet die SMS an eine bestimmte Nummer. Der per SMS festgelegte Betrag wird gespendet und per Handyrechnung abgebucht. Der Eingang wird mit einer Dank-SMS bestätigt. Hierdurch können weitere Zielgruppen (Erst- und Kleinspender oder junge Menschen) gewonnen werden und mit geringem Aufwand Geldmittel für einen genau benannten Zweck (Information über Plakate, Radio, Internet) gesammelt werden. Wichtig dabei ist, dass der Spendenzweck aktuell und überzeugend ist.

Schließlich gibt es auch Einzelaktionen, die aus der Kreativität von Menschen mit Gestaltungswillen entstanden sind, wie die Initiative „Rest-Cent“ bei der Mitarbeitende von Kommunalverwaltungen oder Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum auf einen kleinen Teil ihres Nettolohnes verzichten, indem sie den Centbetrag hinter dem Komma spenden.

Die folgenden Beispiele zeigen das Spektrum der bereits vorhandenen auf die Bedarfe von Familien bezogenen Fonds in Nordrhein-Westfalen:

Beim Fonds Robin Good ermöglicht das gemeinsame Engagement von Diakonischem Werk und Caritasverband in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis unbürokratische Hilfen für Familien in Not. Der Fonds hilft, Notsituationen zu überbrücken und erzielt öffentliche Aufmerksamkeit für die Situation von Familien. Es geht den Verbänden darum, schnelle Hilfe ohne komplizierte Antrags- und Genehmigungsverfahren bereit zu stellen.

Der Fonds für Familienerholung des Katholischen Ferienwerks Oberhausen (FfF) wurde 2005 gegründet. Durch Zuschüsse aus dem Fonds soll Familien mit geringem Einkommen, Alleinerziehenden und kinderreichen Familien die Chance für gemeinsame Ferien gegeben werden. Familien können selber Mittel aus dem Fonds beantragen. Der Fonds ist auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen. Die Spenden können steuerlich geltend gemacht werden.


„Cents für Pänz“ in Pulheim wurde durch die Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiß Sinnersdorf“ initiiert. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren, deren Erziehungsberechtigte sich in einer finanziellen Notlage befinden, die Teilhabe an pädagogischen Maßnahmen zu ermöglichen. Verwaltet wird der Fonds vom Jugendamt der Stadt Pulheim.

Der Verein Aktion für Kinder in Unna e.V. wurde 2005 gegründet. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters und verfolgt allgemein das Ziel einer materiellen Hilfeleistung für bedürftige Kinder und Jugendliche aus Unnaer Familien mit geringem Einkommen sowie im Besonderen die Zahlung von Zuschüssen für Frühstück und Mittagessen für Kinder und Jugendliche, die eine Ganztagsschule besuchen.

 

Der besondere Nutzen von Bürgerstiftungen auf kommunaler Ebene

Die Arbeit der Bürgerstiftungen und Fonds kann die Ziele eines kommunalen Managements für Familie fördern. Dies wird durch zumindest drei Aspekte erreicht:

a) Innovationen auf kommunaler Ebene voran bringen


Bürgerstiftungen können zu Ideenschmieden auf lokaler Ebene werden, indem sie zum Beispiel neue Partizipationsformen unterstützen oder unbürokratisch auf neue soziale Problem- und Bedarfslagen reagieren und hier innovative Lösungen unterstützen. Hierdurch kann zum Beispiel auch ansonsten chancenlosen Selbsthilfeinitiativen, die oft genug eine Vorreiterrolle im Bereich der sozialen Hilfen spielen, geholfen werden. Auch Fondsmittel bieten die Möglichkeit, außerhalb gesetzlich geregelter Strukturen und Förderwege auf neue Bedarfe einzugehen und hierdurch die Wahrnehmung und Behebung von Lücken des öffentlichen Hilfesystems vorzubereiten.

b)  
Ergänzung bestehender Unterstützungssysteme

Oft genug sind Aufgaben kurzfristig oder vorübergehend aus öffentlichen Mitteln nicht (mehr) oder vorübergehend nicht zu finanzieren. Stiftungen und Fonds für Familien können dazu beitragen, dass funktionierende Strukturen beibehalten werden können und eine evtl. später wieder einsetzende öffentliche Förderung hieran anknüpfen kann. Auch in Einzelfällen, bei denen Familien durch die Maschen des öffentlichen Hilfesystems fallen oder in „Grenzfällen“ öffentlicher Leistungsgewährung kann durch die unbürokratische Unterstützung aus Stiftungs- oder Fondsmitteln geholfen werden.

c)   
Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements

Bürgerstiftungen tragen dazu bei, dass die Engagementbereitschaft im Gemeinwesen gestärkt und das Engagementpotential besser genutzt werden kann. Die hier vorgesehene und häufig auch geförderte Partizipation der Bürgerinnen und Bürger befördert die praktische Demokratieentwicklung und kann auch für andere Bereiche des öffentlichen Lebens beispielhaft wirken. Gerade im Rahmen eines Kommunalen Managements für Familien, das eine sinnvolle Bündelung und den zielbezogenen Einsatz vorhandener Ressourcen verlangt, stellen solche Formen der Mittelbeschaffung und –verwendung sinnvolle Möglichkeiten dar, im Bereich der „freiwilligen Leistungen“ trotz finanzieller Engpässe weiterhin aktiv zu bleiben. Stiftungen und Fonds für Familien sind insofern wichtige Bestandteile eines lokalen Netzwerks für Familie.

 

Kooperationsmöglichkeiten für Kommunen und Stiftungen

Der Erfolg der bürgerschaftlichen Initiativen baut in hohem Maße auf den lokalen Kooperations- und Unterstützungsstrukturen auf, und die Kommune spielt bei der Förderung von Stiftungen und Fonds eine ganz besonders wichtige Rolle (vgl. Wolf 2001). Verschiedene Beiträge sind hier denkbar, durch die die Kommunalverwaltung die Gründung und die Arbeit von Bürgerstiftungen und Fonds für Familien fördern und dadurch dazu beitragen kann, die Situation von Familien weiter zu verbessern.

a)   
Information: Um Stiftungsgründungen anzuregen, können Kommunen Informationsmaterial zu Fragen der Stiftungsgründung und der Stiftungsarbeit sammeln und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen. Dies betrifft auch Informationen zu bereits vor Ort vorhandenen Stiftungen und ihren Förderzwecken und -kriterien.

b)  
Expertenwissen: Rechtsexperten der Kommune können interessierte Bürgerinnen und Bürger im Prozess der Stiftungsgründung und Stiftungsarbeit beratend zur Seite stehen. Gerade in der Anfangsphase ist es sehr wichtig, vorhandenes Fachwissen bei den seit langem vor Ort tätigen Organisationen einzuholen. Hierzu gehören unbedingt auch die Fachleute aus der Kommunalverwaltung.

c)   
Moderation: Kommunen können nicht nur bei der Stiftungsgründung initiierend und vernetzend wirken, sondern auch die erforderliche Vernetzung und fortlaufende Kooperation der vor Ort tätigen Institutionen im Sinne einer Stärkung der Stiftungsarbeit moderierend begleiten.

d)  
Verwaltung: Fachlich geschultes Personal der Kommunalverwaltung kann eingesetzt oder eingestellt werden, um bei der Stiftungs- bzw. Fondsverwaltung unterstützend tätig zu werden.

e)   
Mitarbeit bei der Mittelvergabe: Bei Entscheidungen über die Verwendung verfügbarer Mittel müssen grundsätzlich die Stiftungszwecke eingehalten werden. Im Einzelnen sind viele Stiftungen jedoch auf weitere Informationen über bereits vorhandene Förderungen und offene Bedarfe angewiesen.

f)    
Spendenakquise: Spenden und Zustiftungen müssen in der Regel auf vielen verschiedenen Wegen akquiriert werden (Benefizveranstaltungen, Tombolas und Lotterien, Patenschaften für Unternehmen, Spendenbriefe, Jubiläumsspenden, Bußgeldverwendung). Auch dies kann durch entsprechende Aufrufe oder durch die Unterstützung von Schlüsselpersonen aus der Kommunalverwaltung voran gebracht werden.

g)  
Anerkennung: Wichtig ist die Bindung von Engagierten und Spendern an die Stiftungen und Fonds. Dabei spielen Aufmerksamkeit und Anerkennung für materielle und zeitliche Investitionen eine wichtige Rolle. Auch die Öffentlichkeitsarbeit, das Marketing und die kommunale Anerkennungskultur (Einladungen, Ehrungen) tragen hierzu bei.

h)  
Ideelle Unterstützung: Ganz grundsätzlich kann – wenn dies auf Seiten der Stiftungsgremien gewünscht ist – die Beteiligung von Personen des öffentlichen Lebens für die Erreichung der Stiftungszwecke hilfreich sein. Dies betrifft die Mitarbeit in den Stiftungsgremien oder etwa die Übernahme einer Schirmherrschaft durch die Verwaltungsleitung.

 

Fazit

Kommunales Management für Familien kann durch die Arbeit von Stiftungen und Fonds für Familien wichtige Impulse und Unterstützung erhalten. Indem Kommunen die vor Ort tätigen Verbände, Vereine,  Unternehmen oder Einzelpersonen bei solchen Initiativen begleiten und zum Beispiel durch die Übernahme einer Schirmherrschaft, durch Administration, Moderation oder Werbung unterstützen, tragen sie zur Mittelbeschaffung und zur Ermöglichung unbürokratische Hilfen für Familien bei. Außerdem stärken sie das Bewusstsein für die Bedeutung der Familien im Gemeinwesen und die Aktivierung und den Aufbau von bürgerschaftlichem Engagement.


Literatur:

Wolf, André Christian (2001): Bürgerstiftungen und Bürgerengagement. In: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (Hrsg.): Materialien für die Arbeit vor Ort, Heft Nr. 21, Wesseling Download: http://www.kas.de/wf/doc/kas_3536-544-1-30.pdf?040615165332 (letzter Zugriff am 18.1.2011)

Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2005): Stiften in Nordrhein-Westfalen. Einfach –  vielfältig. Stiftungsideen aus den Regionen und das neue Gesetz.


Autorinnen:

Beatrix Schwarze
Mitarbeiterin des Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum.

Angelika Engelbert
Leiterin des Informations- und Qualifizierungszentrums für Kommunen (IQZ) am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) der Ruhr-Universität Bochum.


Erstellungsdatum: 25.01.2011
Veranstaltungskalender
August
Mo Di Mi Do Fr Sa So
31 29 30 31 1 2 3 4
32 5 6 7 8 9 10 11
33 12 13 14 15 16 17 18
34 19 20 21 22 23 24 25
35 26 27 28 29 30 31 1

alle Termine