Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Werkstattreihe

"Koordinierung Familienunterstützender Dienstleistungen in Kommunen" (Herzogenrath)

Dr. Angelika Engelbert stellte lokale Angebote der Koordination anhand von Beispielen vor den Teilnehmenden des Workshops "Haushaltsnahe familienunterstützende Dienstleistungen" dar.
"Koordinierung Familienunterstützender Dienstleistungen in Kommunen" hieß das Motto des regionalen Workshops, den das IQZ im Auftrag des nordrhein-westfälischen Familienministeriums am 22. Februar 2010 in Herzogenrath durchgeführt hat. Dabei ging es primär um die Frage, wer auf lokaler Ebene haushaltsnahe Dienstleistungen für Familien bündeln, vernetzen und transparent machen kann.

Mehr als 40 Teilnehmende, darunter u.a. Akteure aus kommunalen Verwaltungen, der Freien Wohlfahrtspflege sowie den ARGEN signalisierten großes Interesse am Thema. Dabei wurde deutlich, dass sich einige Kommunen bereits auf den Weg gemacht haben, um vor Ort einen entsprechenden Service für Familien zu verankern, andere wiederum noch ganz am Anfang stehen. Viele wollten wissen: Welche Gremien und Institutionen gehören an einen Tisch, um haushaltnahe Dienstleistungen für Familien vor Ort "salonfähig" zu machen, welche Rechtsform ist das geeignete Modell, welche soliden Finanzierungsmöglichkeiten gibt es, wie kann Qualität garantiert, Transparenz geschaffen und für ein Marketing gesorgt werden?

Gemeinsamer Tenor der Teilnehmenden: Es muss ein Maßnahmenpaket geschnürt werden, damit haushaltsnahe familienunterstützende Dienstleistungen stärker akzeptiert und nachhaltig regional verankert werden können: Dazu gehörten u.a. eine Imagekampagne auf Landes- oder Bundesebene, flankiert von lokalen Marketingstrategien, eine optimale Vernetzung und Koordination, eine entsprechende Qualifikation der Dienstleistenden und ein qualitativ gutes Angebot. Zu guter Letzt sollten in den Kreisen und Kommunen ähnliche Workshops durchgeführt werden, die jeweils auf die konkreten Bedingungen vor Ort zugeschnitten sind. Dr. Angelika Engelbert, Leiterin des IQZ, erklärte: "Es lohnt sich, vor Ort kleine Steine ins Rollen zu bringen, Strukturen und Kooperationen zum Thema „Familienunterstützende haushaltsnahe Dienstleistungen“ zu optimieren, damit ein Gewinn für die Familien und alle Beteiligten entsteht."

 

Aktionsbündnis: Lokale Netzwerke können passgenaue Lösungen befördern

Eva-Marie Frings
  • Eva-Marie Frings: Nachfrage an haushaltsnahen Dienstleistungen steigt.
Auf den zunehmenden Bedarf an familienunterstützenden Dienstleistungen wies Eva-Marie Frings, ehemalige Leiterin des Referates „Kommunale Familienpolitik“ im nordrhein-westfälischen Familienministerium, in ihrer Einführung hin. Die steigende Nachfrage hänge auch mit dem Anstieg der Erwerbstätigkeit von Müttern und dem wachsenden Unterstützungs- und Pflegebedarf von älteren Menschen zusammen.

Dass Familien in ihrem komplexen Alltag besser mit guten Angeboten entlastet werden müssen, meint das Landesaktionsbündnis für familiengerechte Kommunen. Neben der Landesregierung gehören dem Gremium 15 Dachorganisationen aus freier Wohlfahrtspflege, Wirtschaft, kommunalen Spitzenverbänden und weitere Träger an. Eva-Marie Frings erklärte, dass die Partner Handlungsempfehlungen erarbeitet haben, die auf die Bedarfe von Familien eingehen. Im Fokus stehen dabei Transparenz und Vernetzung der Angebote, ein angemessener Preis, eine gute Qualität und ein einfacher Zugang. Wichtig sei dem Bündnis, dass die Leistungen und Angebote sowohl auf die unterschiedlichen Familienformen als auch auf Familien mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft ausgerichtet sind.

Auch das Aktionsbündnis halte eine Anlaufstelle auf örtlicher, für kleinere Kommunen auf regionaler Ebene für sinnvoll. Diese Stelle solle koordinieren, bündeln, Informationen entgegen nehmen und weitergeben. Lokale Netzwerke böten die Chance, passgenaue Lösungen zu befördern, Transparenz zu schaffen und Interessenausgleiche zu ermöglichen.

Mindestanforderungen als wichtige Grundlage für die Qualitätssicherung

Eva-Marie Frings erklärte auch, dass das Familienministerium und das Aktionsbündnis für familiengerechte Kommunen bei diesem Thema weiter am Ball bleiben wollten. Aktuell habe die Verbraucherzentrale NRW auf Initiative des Aktionsbündnisses ihr Portal zu haushaltsnahen Dienstleistungen um den Adressatenkreis Familie erweitert und Mindestanforderungen an "Haushaltsnahe Dienstleistungen" abgesteckt. Dies sei eine wichtige Grundlage für die Qualitätssicherung, die auch für kleinere Anbieter und Firmen realisierbar sei. Darüber hinaus würden die lokalen bzw. regionalen Koordinierungsstellen durch das Angebot des Portals entlastet.

Eva-Marie Frings zu den nächsten, geplanten Schritten: 1. Das IQZ erarbeitet im Auftrag des Familienministeriums eine Handreichung zum Thema haushaltsnahe Dienstleistungen, die viele Beispiele guter Praxis enthält und Tipps für eine kommunale Verortung gibt. 2. Weitere Workshops in den Regionen.

Das PDF-Dokument zum Vortrag von Eva-Marie Frings finden Sie hier:

 

Junge Branche ist zukunftsfähig - Hybride Produkte in der Schublade

Bernhard Litmeyer
  • Bernhard Litmeyer: Öffentliche-Private-Partnerschaften als eine Möglichkeit der Finanzierung.
Bernd Litmeyer vom Institut für Site und Facility Management (ISFM), war davon überzeugt, dass die noch junge Branche für familienunterstützende haushaltsnahe Dienstleistungen ausbau- und zukunftsfähig sei. Schon jetzt zeigten einige Versicherungen und Banken großes Interesse an diesem Markt. Einige seien bereits dabei, sogenannte hybride Produkte für diesen Sektor zu entwickeln. Danach könnten Familien frühzeitig eine Versicherung für die Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen abschließen. Dies erleichtert ihnen später die Finanzierung des jeweiligen Service, den sie in ihrer entsprechenden Lebenssituation benötigen.





"Lokale Koordination als hoheitliche Aufgabe der Kommunen verstehen"

Bernd Litmeyer machte zudem deutlich, dass die Steuerung von Dienstleistungsprozessen rund um das Wohlergehen von Privatpersonen aus einer Unternehmerperspektive betrachtet werden müsse, um nachhaltig wirtschaftlich tragfähig zu sein. Neben der Koordinierung und Finanzierung, dem Marketing, der Qualitätssicherung und einheitlichen Qualitätsstandards sei eine Zielentwicklung nötig. Die lokale Koordination sollte als hoheitliche Aufgabe der Kommune verstanden werden.

Win-win-Situation schaffen: Finanzierung langfristig anlegen

Lokale Netzwerke für familienunterstützende Leistungen, in denen neben den Kommunen die Banken, Versicherungen, Wohlfahrtsverbände, ARGEN, Lokale Bündnisse für Familie, Krankenkassen und weitere Institutionen beteiligt sein sollten, müssten gefördert werden. Für die Koordination der Familienunterstützung innerhalb des Netzwerks seien Geldmittel und Personalressourcen notwendig. Ziel müsse eine „win-win“ Situation für alle Beteiligten sein. Um ein solches Vorhaben zu realisieren, sei in jedem Fall eine langfristig angelegte Finanzierung erforderlich. Diese sei möglicherweise über Öffentlich-Private-Partnerschaften sowie über eine Mischfinanzierung, bei der auch Bundes- und Landesförderprogramme eine Rolle spielen sollten, zu erreichen.

Politische Willenserklärung und zielgerichtete Marketingpläne

Um Anbieter und Nachfrager näher zusammenzubringen, seien in jedem Fall ein zielgerichtetes Marketing bzw. übergeordnete Marketingpläne erforderlich. Die Standardisierung von Qualität sei ebenso empfehlenswert. Eine politische Willenserklärung und kommunalpolitische Unterstützung durch die Verwaltungen vor Ort seien für die Entwicklung einer lokalen Strategie und die Umsetzung und Fokussierung auf lokale Potenziale und Chancen unabdingbar. Die Zielentwicklung sei nur im Dialog zu erreichen.

Das PDF-Dokument zum Vortrag von Bernd Litmeyer finden Sie hier:

 

Je nach dem, welches Modell passt:
Lokale Anlaufstellen für Familien

Dr. Angelika Engelbert
  • Dr. Angelika Engelbert: Ausgangslage analysieren.
Dr. Angelika Engelbert stellte lokale Angebote der Koordination anhand von Beispielen dar. Ein hoher Such- und Organisationsaufwand, fehlende Transparenz und die zu hohen Kosten hinderten Familien oft daran, haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Deshalb sei eine Anlaufstelle wichtig. Im Vorfeld sollten allerdings die Ausgangslage analysiert, vorhandene Angebote eingebunden und sozialräumliche Gegebenheiten berücksichtigt werden.

Die Anlaufstellen könnten ganz unterschiedlich ausgerichtet sein. Es gibt kommunale Servicebüros, die eine Lotsenfunktion haben, oder integrierte Dienstleistungsagenturen, die vermitteln und selbst Dienstleistende beschäftigen. Zudem gibt es Tauschringe, in denen bargeldlos „Talente“ getauscht werden können. Für Familien, die in dörflichen Strukturen leben, biete das „DORV-Konzept“, das für „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“ steht und an einen Lebensmittelladen angedockt wird, Entlastungsmöglichkeiten.

Jeweils ein Beispiel für die unterschiedlichen Modelle finden Sie hier:

Das PDF-Dokument zum Vortrag von Dr. Angelika Engelbert finden Sie hier:

 

Der Familien-GPS in Herzogenrath: Vor Ort bestens vernetzt

Gabriele Allmann
  • Gabriele Allmann: Kostenlose Beratungsgespräche, einmalige Vermittlungsgebühr.
Gabriele Allmann, Mitglied der GPS-Projektleitung und Geschäftsführerin des FrauenKommunikationsZentrums e.V. in Herzogenrath, stellte das von der Robert-Bosch-Stiftung prämierte Projekt Familien-GPS vor. Familien-GPS (Träger ist das FrauenKommunikationsZentrum e.V.) versteht sich als eine zentrale Anlauf- und Lotsenstelle im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und offeriert Familien und Seniorinnen und Senioren einen auf deren Bedürfnisse zugeschnittenen Service (z.B. Betreuung, Haus und Garten, Einkäufe). Sie berät und unterstützt kompetent Familien und hilft ihnen bei der Planung und Umsetzung individueller Familienkonzepte. Neben der Vermittlung werden familienunterstützende Leistungen in der Stadt und der Region recherchiert, erfasst und gebündelt. Aufbereitet werden diese Informationen in einer Broschüre, auf einer CD und in einer Internetdatenbank zum Ende des Jahres veröffentlicht.


Banner von www.familien-gps.de
Auch Gabriele Allmann wies auf die Wichtigkeit eines funktionierenden Netzwerkes für den Aufbau einer solchen Anlaufstelle hin. Die Expertin sprach schließlich aus Erfahrung, denn das Familien-GPS-Projekt ist bestens vernetzt und hat viele wichtige Kooperationspartner (u.a. ARGE, Frauennetzwerk der Stadt Aachen, Bündnis für Familie, Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie die Stadt Herzogenrath). Es arbeitet auch eng mit dem örtlichen Jugendamt zusammen, das Tagesmütter vermittelt, während der Familien-GPS ergänzende Formen der Kinderbetreuung im Haushalt anbietet.


Wie finanziert sich das Projekt? Gabriele Allmann erklärte, dass die Beratungsgespräche für die Vermittlung der haushaltsnahen Dienstleistungen kostenlos seien. Die ursprüngliche Idee, eine Vermittlungsgebühr prozentual am Auftragsvolumen der selbständig tätigen Dienstleistenden auszurichten, ließ sich nicht umsetzen. Die im GPS-Pool arbeitenden Frauen werden vom beauftragenden Haushalt überwiegend über die Minijobzentrale angemeldet und arbeiten nicht selbständig. Die Familien zahlen deshalb jetzt für die erfolgreiche Vermittlung einer Servicekraft eine einmalige Gebühr. Diese orientiert sich u.a. an dem Monatseinkommen des jeweils vermittelten Dienstleitungserbringers in den Haushalten.

Das PDF-Dokument zum Vortrag von Gabriele Allmann finden Sie hier:

Das GPS-Projekt hat sich auch als Best-Practice-Beispiel auf einem Fachkongress des nordrhein-westfälischen Familienministeriums im September 2009 in Bielefeld präsentiert.

Näheres zum Projekt finden Sie hier:

 

Teilnehmende: Wertschätzung befördern, Dienstleistungskultur entwickeln

Die unterschiedlichen Ausgangssituationen der Teilnehmenden vor Ort zeigten sich in den Arbeitsgruppen. Dabei hat sich gezeigt, dass es diverse Ansätze und Bausteine in den Kommunen im Rahmen der familienunterstützenden haushaltsnahen Dienstleistungen gibt. Hierzu gehören zum Beispiel Arbeitskreise zum Thema, Broschüren, Datenbanken, Angebote für Senioren oder Anlaufstellen in Kommunen, zum Teil mit Unterstützung von Stadt oder Sponsoren. Oft fehle es aber an einer kommunalen Gesamtstrategie sowie an klaren Zuständigkeiten und Kompetenzen. Als großes Hindernis sahen viele die fehlende Refinanzierung der Koordinierung der Dienstleistungen sowie die marktfähige Preisgestaltung der Dienstleistungen in den Kommunen.

Festgestellt wurde: In Deutschland ist die Dienstleistungskultur im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch wenig entwickelt. Oft gibt es Hemmschwellen, Dienstleistungen von "Fremden" in den eigenen vier Wänden in Anspruch zu nehmen, was besondere Anforderungen an die Qualifikation der Anbietenden stellt. Zudem werde die Tätigkeiten nach wie vor sehr gering geschätzt, was mit dazu geführt habe, dass ein Schwarzmarkt mit mangelnder sozialer Absicherung entstanden ist. Eine solide Fundierung der Angebote und deren Koordinierung würden deshalb erschwert. Zu einem Umdenkungsprozess könnten eine Imagekampagne oder Marketingaktivitäten auf der lokalen Ebene wie auch auf Landes- und Bundesebene beitragen. Ziel müsse eine Dienstleistungskultur sein, die von einer Wertschätzung der Tätigkeit und der Anbietenden getragen ist.

 

Lokaler Strategieplan mit einer langfristig tragenden Perspektive

Um das Thema vor Ort stärker und zielgerichtet voran bringen zu können, seien verschiedene Formen der Unterstützung wünschenswert. Erforderlich sei zunächst mehr Know-How darüber, wie der Nutzen der familienunterstützenden haushaltsnahen Dienstleistungen herausgestellt werden kann. Hilfreich sei zudem ein exemplarischer Strategieplan, der Wege aufzeige, wie das Thema lokal mit einer tragenden langfristigen Perspektive umgesetzt werden kann. Wichtig seien auch Informationen über mögliche Organisationsformen bzw. Rechtsträgerschaften sowie einheitliche Qualifizierungen und Qualitätsstandards.

Die Vernetzung vor Ort in Gang zu bringen oder zu verstärken und zu verbindlichen Absprachen zu gelangen, war klares Ziel aller Teilnehmenden. Der Workshop habe hierzu viele Informationen und Anregungen gegeben. Am Ende stand der Wunsch, in weiteren Kreisen oder Kommunen ähnliche Veranstaltungen, zugeschnitten auf die konkreten Bedingungen vor Ort, durchzuführen.

Weitere Veranstaltungen des IQZ im Jahr 2010

Veranstaltungskalender
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